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Im deutschen Reich · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. 227

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Article
Professor Droogstoppel
Date
1920-07-01
Page
227 (sequence 6)
Language
German
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Professor Droogstoppel 227 rungskriege führen wollte, so mochte er das mit seinen Söldnern tun; aber jeder Israelit durfte ihm die Gefolgschaft verweigern, und das eroberte Land hätte niemals in vollem Sinne als Land Israels gegolten. Die Idee des gelobten Landes ist die beste Widerlegung des antisemitischen Gefasels von jüdischen Weltherrschaftsplänen. Die Gedanken ferner, die sich die Bibel über die Enteignung der bisherigen Bewohner Kanaans macht, sind nicht „fadenscheinige Vorwände" (43), sondern, wie ja auch gar nicht anders zu erwarten ist, ein weiteres Zeugnis ihres sittlichen Charakters. Die Kanaaniter haben ihr Land verwirkt zufolge ihrer moralischen Verkommenheit, die das ganze Volk durchdrungen hatte, und die die Folge ihres Götzendienstes war. Besonders sind es zwei Greuel, von denen sich die Thora mit Schaudern abwendet und die sanktionierte staatliche und gesellschaftliche Einrichtungen waren: das Verbrennen der Kinder bei lebendigem Leibe zu Ehren des Molochgötzen und eine Unzucht, die uns in die schwärzesten Abgründe menschlicher Perversität blicken läßt. Man wird keine sittlich höherstehende Theorie des Besitzes, und der Weltpolitik aufstellen können als die der Bibel: Besitz verpflichtet; es gibt für kein Volk ein unentreißbares Eigentum an einem Lande; das Anrecht daraus wird nicht bestimmt durch das Recht des Stärkeren, sondern durch das Unrecht des Schlechteren; darum ist auch das Recht Israels aus Kanaan nicht unverjährbar. Kraftvoll drückt dies die Thora einmal dadurch aus, daß sie mit poetischer Naturbeseelung sagt: damit euch das Land nicht ausspeie, wenn ihr es entweiht, wie es das Volk vor euch ausspeit. Die Natur selbst ist Gottes Gerichtsdienerin, und selbst dem Boden graut davor, ein Volk von Bösewichtern zu tragen. Darum sucht die über den Zusammenbruch eines Reiches nachsinnende Betrachtung die Ursachen nicht in politischen oder militärischen Fehlern, sondern in sittlicher Fäulnis, und die Trümmer vom Boden vertilgter Städte, wie Sodom und Gomorrha, sind ihr Zeugen strafender Gerechtigkeit. Die' Weltgeschichte ist das Weltgericht. Und auch hierbei zeigt sich noch die göttliche Langmut. Die Nachkommen Abrahams sollen erst im vierten Geschlecht in das Land kommen, denn noch ist das Schuldrnaß des Emoriters nicht voll. Gott wartet mit der Ahndung der Schuld der Väter bis zum dritten und vierten Geschlecht. Beharren und verstocken sich auch Enkel und Urenkel darin, dann ist keine Besserung mehr zu erwarten. Es ist daher eine der vielen Gedankenlosigkeiten seines Buches, wenn D. zum Beweise, daß es doch auch edle Kanaaniter gab, zwei Personen aus der Zeit Abrahams anführt, Melchisedeks „Jdealgestalt" und Ephram Aber selbst mit ihnen hat er kein Glück. Beide hat er nämlich gar nicht verstanden (was hat er denn überhaupt verstanden?). Als Abraham (Gen. e. 14) siegreich aus dem Felde heimkehrt, gehert ihm der König von Sodom und Melchisedek, der König von Salem, der nebenbei Priester des „höchsten Gottes" war, entgegen, und M. überreicht ihm Brot und Wein. Für seinen Glückwunsch gibt ihm Abraham den Zehnten von allem. Wenn M. dem Abraham beim A u s - zu ge Glück und Segen gewünscht hätte, dann hätte man ihn loben

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