Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. 226

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Article
Professor Droogstoppel
Date
1920-07-01
Page
226 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316900-2316907-2357635--31270-2357686
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22b Jra deutschen Reich hilft nur dem, der sich helfen lassen will, der sich selber' hilft. Wenn Gott handelt, handelt er durch Menschen, aber diese Menschen haben einen freien Willen und können Gottes Gaben auch ausschlagen und seinem Willen trotzen. Deshalb kann es einmal heißen: Gott verhärtete das Herz Pharaos, und ein anderes Mal: Pharao verhärtete sein Herz. Deshalb wechseln ab: „wann ich die Bewohner vertreiben.werde" und „wenn ihr sie vertreiben werdet", und folgerecht ist auch der Fall angenommen: wenn ihr sie nicht vertreiben werdet (den Leser des Urtextes mache ich daraus aufmerksam, daß jene Sätze stets mit dem ki der Gewißheit, diese mit dem im der freien Wahl eingeleitet werden). Wie anders als durch Menschen soll man sich denn auch die E r o b e * rung eines Landes denken, selbst wenn es von Gott verheißen, d. h. zugewiesen ist? Wenn sie den Israeliten schwere Kämpfe gekostet hat, so lag dies an dem erbitterten Widerstand der Kanaaniter, der ganz selbstverständlich ist, obgleich der Verfasser sich nicht genug daran tun kann, ihn gegen Gott auszuspielen. Er verlangt nämlich in seinem kindlichen Sinn, daß sie auf Grund der ihnen aus dem Pentateuch vorgelesenen Verheißungen sofort und kampf- und wortlos zu verschwinden hatten. Und wenn es die Israeliten niemals bis zur gänzlichen Eroberung des Landes gebracht haben, so lag dies nicht an Gottes Ohnmacht, sondern an der eigenen Lauheit und Lässigkeit, mit der sie den Kampf führten, oder an ihrer Unwürdigkeit. So kann z. B. einmal gesagt werden: es wird kein Armer unter euch sein, denn der Ewige, dein Gott, wird (was an ihm liegt) dich in dem Lande, das er dir gibt, segnen — und ein andermal: es wird immer Arme unter dir geben. Nämlich jenes, wie die Schrift hinzufügt: wenn du auf die Stimme des Ewigen deines Gottes hörst und alle seine Gebote befolgst— dieses: so wie ich die Menschen kenne, die es niemals dazu bringen. Alle Verheißungen sind also mit solchen Vorbehalten zu verstehen. Die Kraft und Gewißheit aber, mit der sie ausgesprochen werden, sollen die kleinmütigen Zweifel und Bedenken übertönen und die furchtsamen Gemüter durch die Ueberzeugnng anfeuern, daß sie in Gott einen allmächtigen Bundesgenossen haben, mit dem sie jeden Widerstand überwinden würden. Mit dieser Bedenklichkeit, Zaghaftigkeit und Schwächlichkeit führen die Reden Gottes und Moses einen beständigen Kampf. Uebrigens liegt, ganz abgesehen vom Volke Israel, in dem Gedanken eines gelobten, d. h. verheißenen Landes mit genau bestimmten Grenzen und der niemals völlig gelösten Ausgabe, es zu erringen, eine göttliche Weisheit, die zu würdigen wir wahrlich genug erlebt haben. Wie, wenn alle Völker einen solchen Glauben gehabt hätten? Hätte es eine unübersteiglichere Schranke gegen unersättliche Eroberungsgier und das völkermordende Ringen, verschiedener Nationen um die Weltherrschaft geben können? Hätten sie sich nicht für alle Zeiten an der gottgewiesenen Aufgabe, ihr eigenes Land und Volk mit dem ihnen eigentümlichen Nationälgeist zu durchdrungen, genügen lassen müssen? Daher konnte es in Israel stets nur Verteidigungskriege und niemals einen berechtigten Krieg über die verheißenen Grenzen hinaus geben. Wenn ein König solche Erobe-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.