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Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 203

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-06-01
Page
203 (sequence 8)
Language
German
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Jüdische Rundschau 203 das schöne, von den Zionisten selber so oft gerühmte Verhältnis wiederhergestellt, wie es vor dem Ausbruch des politischen Zionismus geherrscht — wo hätte England Gelegenheit gehabt, sein „Mandat" auszuüben und das herrliche Prinzip „divide et impera“ zu betätigen? Die unter sich einige Landesbevölkerung wäre dem Protektor gegenüber eine Macht, die ihm große Konzessionen abrmgen, sogar seine Herrschaft bedrohen könnte. Das war ja die stete Sorge Rußlands, daß^rricht die Randvölker, Ukrainer, Polen, Juden, Litauer, Weißrussen, Letten, Eschen sich vertragen lernten und das gemeinsame Joch abschüttelten. Daher mußten sie alle gegeneinander und alle zusammen gegen die Juden ausgehetzt werden, wobei Petersburg stets den väterlichen Friedensstifter spielte und den jeweils Schwächeren, sogar die Juden, gegen den Stärkeren rn Schutz nahm. Die Erfahrung lehrt, wenn zwischen zwei Völkerschaften erst Blut geflossen ist, hat der Haß zwischen ihnen auf lange Zeit hinaus dauernden Bestand. Die einen vergessen die überstandenen Grausamkeiten und Demütigungen nicht so bald, die andern suchen ihre Missetaten zu rechtfertigen, irrdem sie die Mißhandelten auch noch verleumden und alle Schuld auf ihre Köpfe häufen. Eine dichte Mauer von Mißverständnissen wächst empor, die kleinste Reibung führt zu neuen Ausbrüchen — und die schützende Macht kann ihre Unentbehrlichkeit der Welt beweisen, „da diese Leute doch keine Ruhe zu halten vermögen" — und der Landweg von Alexandrien nach Bombay ist gesichert ... Es kostet wenig, daß schließlich das Urteil über Jabotinsky und Genossen gemildert, die 15 jährige Zuchthausstrafe des ersteren in ein Jahr Gefängnis und die 3 jährige Zwangsarbeit der letzteren in sechsmonatige Gefängnisstrafe verwandet wurde. England hat sich hier nicht ganz, aber beinahe so großmütig gezeigt wie der selige Zar von Rußland; auch unter seiner Regierung wurden die jüdischen Selbstverteidiger nicht immer in die sibirischen Bleiwerke verschickt, in vereinzeLten Fällen gingen sogar die Pogromhelden nicht straflos aus. „Im Falle Jabotinsky mußte eine Strafe beibehalten werden, da die gegenwärtige Lage in Palästina andauernd kritisch ist, und daher vorläufig ein Exempel statuiert werden mußte", fügt Reuter (5. Mai) hinzu. Die Araber werden sich's merken, sie werden es fortab vorziehen, die. von „Haaretz" so drastisch geschilderte Politik der kleinen Nadelstiche zu treiben, die viel wirksamer und ungefährlicher ist als der Pogrom, und mit der man den Juden das Leben und die Arbeit im Lande unmöglich machen wird. England kann am Ende rieben jeden jüdischen Kolonisten einen Gendarm hinstellen, der ihn vor dem Pogrom schützt. Aber wie soll er ihn vor dem Boykott schützen, den Araber zwingen, dem Juden Getreide, Mehl, Gemüse, Milch,. Schlachtvieh .zu verkaufen (das. der jüdische Kolonist, der mit geringen Ausnahmen Pflanzer ist, gar nicht erzeugt), dem jüdischen Händler seine Waren abzukaufen, mit ihm Geschäfte zu machen, bei ihm als Tagelöhner zu arbeiten? (Die jüdischen Kolonisten sind bekanntlich in hohem Grade auf die arabischen Arbeiter angewiesen.) Oder soll das jüdische National Home einen geschlossenen Handels- und Agrarstaat im Lande bilden, der für sich dasteht, in der Luft schwebt, unabhängig von der Umgebung, erhaben über Raum und Zeit? Die Vorkommnisse in Jerusalem haben denn auch auf die palästinensischen Juden niederschmetternd und lähmend gewirkt. Die großen zionistischen SLaatsmänner in Berlin und London haben es leicht, Festversammlungen zu veranstalten, bei reichbesetzteu Gastmählern in angenehmer Weinlaune hochbegeisterte Tischreden steigen zu lassen: sie sind, fern vom Schuß,, sie werden auch weiter ihre Zungen und Federn in den Dienst der Sache stellen. Aber die Juden in Palästina fühlen etwas Unheimliches und Drohendes herannahen, sie fühlen, daß der Pogrom von Pessach erst der Anfang ist. Aus allen ihren Äußerungen spricht

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