Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 202

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-06-01
Page
202 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316900-2316906--31222-2357608
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

202 Fm deutschen Reich 460 Millionen Mohammedaner und nur 12 Millionen Juden, daraus folgt, daß es schon setzt verhältnismäßig viel zu viel Juden in Palästina gibt; anstatt neue einzulaffen, müssen die vorhandenen zum Teil, entfernt werden, um das Gleichgewicht herzusteüen. Die Deputation erklärte dem Sir Herbert Samuel, man habe in Sichern einen vollständigen Boykott gegen die Juden beschlossen. (Wie sein Bruder Sir Stuart Samuel die Juden in Polen gerettet hat. ist hier ausführlich erzählt worden.) In dem von Franzosen besetzten Gebiet führten die Araber gegen sie blutige Kämpfe, denen auch jüdische Siedlungen und ihre Bewohner zum Opfer fielen. Die Demonstrationen gegen den Zionismus häuften sich besonders in Jerusalem immer mehr, die arabische Presse führte eine immer heftigere Sprache, und von draußen goß man OeL ins Feuer. Nachdem Ruppin und LichLheim in ihren Schriften die Enteignung der Araber forderten, forderte Nord au, daß alle Juden der ganzen Welt als palästinensische Bürger erklärt werden, und Zangwill verlangte, die britische Regierung solle die AraöerhäupLlinge veranlassen, mit ihrer halbnomadischen Bevölkerung jenseits des Jordans auszuwandern, ferner solle sie in Palästina eine vollständige, aus lauter Juden bestehende Verwaltung einsetzen, gestützt auf eine aus Juden aller Länder zusammengesetzte Armee („Jewish Guardian" vom 27. Februar). Das stärkste leistete das 1917 gegründete italienische Komitee „Pro Israels", das aus lauter Nichtjuden bestand, Israel in der ganzen Welt zu helfen und die Valfoursche Deklaration zu verwirklichen verhieß. Dieses Komitee verlangte ungestüm eine sofortige Masseneinwanderung von Juden nach Palästina! Das war der Gipfel des Zynismus und der Gewissenlosigkeit. Eine Mafserreinwanderung in ein so kleines Land wie Palästina würde eine Katastrophe für das Land und die Einwanderer bedeuten und die wüsteste Revolution heraufbeschwören. Italien verwehrt jüdischen Einwanderern das Landen an den Hafen, aber,das Komitee „Pro Jsraele" öffnet weitherzig ein fremdes Land der jüdischen Masseneinwanderung. Während des tripolitanischen Krieges (1911) standen die Sympathien der Zionisten gleich denen der meisten rechtlich denkenden Europäer auf seiten der Türkei, die zionistische Presse schimpfte weidlich auf den „frechen Länderdieb", der einen friedlichen Nachbar überfallen hatte; zahlreiche, jüdische Aerzte aus Oesterreich und Rußland dienten als Freiwillige in der türkischen Armee, gleichwie 1897 gegen Griechenland. Jetzt dagegen gerieten die zionistischen Blätter in Entzücken über das so viel verheißende Komitee „Pro Jsraele", dieses aber schwieg tapfer zu den Pogromen in Polen, in Ungarn, am tapfersten zu dem in Jerusalem . . . Man sieht, dieser Pogrom ist von sehr langer Hand vorbereitet worden, von den Führern der Araber und — den Führern der Zionisten. Eirrs aber verdient, daß man darüber ernstlich nachdenke und sich's tief einpräge: in Galizien und Ungarn, solange sie unter der Herrschaft des rückschrittlichen, völkerkNechtenden Oesterreich standen, in Palästina, solange es unter der grausamen Oberhobeit der Türkei sich befand, waren Judenpogrome unerhört und undenkbar: sie fingen an zu wüten, seit diese Länder unter den überwältigenden Einfluß des völkerbefreienden, .für Gerechtigkeit und Menschlichkeit kämpfenden GroßbriLannien geraten sind. Wie kommt das? Den Engländern kommt der Jerusalemer Pogrom sehr gelegen Natürlich haben sie ihn nicht angestiftet. das wird ihnen niemand Nachweisen können; sie waren bloß nicht Ln der Lage, ihn zu verhindern. Nun bekommt ihr „Mandat" über Palästina einen rechten Sinn. (Man weiß aus dem ägyptischen Beispiel, was ein englisches Mandat bedeutet.) Hätten Juden und Araber sich am Ende verständigt und ausgesöhnt und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.