Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-06-01
- Page
- 201 (sequence 6)
- Language
- German
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201 Jüdische Rundschau bei? zahlreichen unter französischem Protektorat stehenden katholischen Klöstern — bis orthodoxen waren viel toleranter —, denen aus religiösem Fanatismus jede Festsetzung von Juden als wirtschaftlicher Faktor im Heiligen Lande ein Dorn im Auge war.' Hier sollte der Jude stets nur als verkommener Bettler, geduckt umherschleichen dürfen, zur ewigen Strafe für die Kreuzigung Christi. Aber auch die englische Diplomatie, die stets die. Vorgänge im Orient im Auge behielt, wurde aus den politischen Zionismus aufmerksam. Wer konnte wissen, wozu das gut war? Indessen blieb das Interesse lange platonisch und sentimental, praktisch wurde es, als die Türkei auf seiten der Zentralmächre in den Krieg emtrat. Nun war es ausgemacht, daß das ottomanische Reich ein Ende haben müsse. Ueber die Meerengen mußte man sich mit den Bundesgenossen einigen. Aber Palästina, diese wichtigste Landbrücke von Aegypten nach Vorderasien (und nach Indien), die schon in vorbiblischer Zert den Beherrschern des Niltals gehörte, und um welche die Pharaonen mit den Asiyrern, Babyloniern und Persern kämpften — England konnte sie um keinen Preis der Welt aus der Hand geben. Doch unter welchem Vorwand diesen alten Besitz der Araber behalten, denen man ein unabhängiges Reich, Selbstbestimmungsrecht und eine Menge anderer schöner Dinge versprochen und deren Nationalismus man zum Kampf §egerr die Türkei so lange gekitzelt hatte? Da wurde die Idee des ^udenstaates hervorgeholt, über dem einzig und allein England das „Mandat" auszuüben berechtigt war. Die Balfoursche Deklaration kam. Die von dem (nichtjüdischen) British P&lestins Committee herausgegebene Monatsschrift „Palestine" erklärt den politischen JrrdenstaaL-Zioniswus als einen Bestandteil des englischen Patriotismus, und verdächtigt jeden Gegner des VaLerlandsverraLes. „A jewish Palestine is L high .British mterest“ Reifst es im jüngsten Hefte vom 1. Mai. Allerdings gab es in Palästina nur etwa 90000 Juden gegen 600000 Araber, eine zur Gründung eines Staates ziemlich ungenügende Zahl. Aber die Zionisten versprachen, den fehlenden Rest nachzuliefern, in Raten von 30000 Köpfen jährlich. Die Araber dagegen fanden gar keinen Geschmack an einem Jewish Palestine; die seit 25 Jahren wühlende Agitation setzte seit der Balfourschsn Deklaration mit immer steigender Heftigkeit sin und erfaßte immer weiters Kreise. Der Krieg hat die Araber mit allen Methoden des europäischen Nationalismus vertraut gemacht und die breitesten Schichten politisiert. Unzählige Klubs wurden gegründet. Demonstrationen, Kongresse sind an der Tagesordnung. Anfang September wurde in Damaskus ^ein allgemeiner Palästina-Kongreß ab gehalten, auf welchem sämtliche Redner scharf gegen den Zionismus loszogen; es wurde beschlossen, den Namen Palästina abzuschaffen und den ganzen Landesteil Provinz Damaskus zu nennen. Es wurden ferner scharfe Beschlüsse gefaßt gegen die Lostrennung Palästinas von Syrien, gegen die zionistische Immigration, gegen die Heimstätte für das jüdische Volk. Es wurde der Boykott her Juden in allen drei syrischen Zonen gefordert. Als Endziel wurde die Vertreibung der fremden Eroberer aus Palästina proklamiert, ein national-arabischer Schutz- und Trutzbund für Syrien und.Palästina wurde gegründet. Sir .Herbert Samuel, der im Aufträge der englischen Regierung nach Palästina kam, um das National Home einzurichten, empfing in Sichern (Nablus) die Häupter der Araber, die gegen die Pläne der Zionisten protestierten. Seine Anspielung auf die „historischen Rechte" der Juden rief folgende Gegenbemerkung hervor: Palästina ist den Christen, Mohammedanern und Juden gleich heilig, und alle haben gleichen Anspruch darauf; nun gibt es in der Welt 600 Millionen Christen, Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!