Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-06-01
- Page
- 200 (sequence 5)
- Language
- German
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200 Im deutschen Reich Herzls und NordauZ war der Inhalt des Zionismus Besiedelung Palästinas mit einer jüdischen Landbevölkerung. Zionist war jeder, der direkt oder indirekt zur Verstärkung der ackerbautreibenden jüdischen Bevölkerungen Palästina beitrug. In diesem Zeitraum ist alles, was an Kolonien und Kulturinstitutionen im Lande vorhanden ist, geschaffen worden, trotz der unglaublichen Dürftigkeit der Mittel, der mangelnden Erfahrung und der Hindernisse von seiten der verrotteten türkischen Verwaltung, und vor aüem trotz der Mißwirtschaft der Rothschildschen Wohltätigkeitsadministration, die die Arbeit jahrelang förmlich lahmlegte. Die politische Zukunft der Kolonien stand in weitem, weitem Felde und beschäftigte nur müßige Köpfe und Federn. Türken und Araber hießen die jüdischen Einwanderer willkommen, diese brachten Arbeitsgelegenheit, Verdienst, Bewegung und Leben herein. Der Wohlstand der Bevölkerung, die Einnahmen-des Fiskus stiegen. Niemandem fiel es ein, daß die jüdischen Siedler eine Gefahr für den Bestand der Türkei, für die Unabhängigkeit der arabischen Nation werden könnten. In Palästina, Syrien und Mesopotamien ist Raum genug für eine ausgedehnte jüdische Agrarko Ionisation, die niemanden zu verdrängen braucht,' um sich auszubreiten. Das änderte sich mit einem Schlage, als Herzl und Nord au auf die Bühne traten. Die beiden großen Feuillewnisten verwarfen grundsätzlich die „Infiltration", die „tropfenweise" Einwanderung kleiner Gruppen, welche nüchterne, prosaische Ackerdaukolonien anlegen; in großen Massen sollte die ganze jüdische Nation in das Land der Väter einziehen und es in Besitz nehmen und einen „Judenstaat" gründen (die Verfassung hatte Herz! mit allen ihren Einzelheiten in seiner gleichnamigen Broschüre festgelegt). Dazu sollte man von der ottomanischen Regierung einen „Charter" erwerben, der der jüdischen Natron die Souveränität über Palästina zu übertragen hätte. Der Zionismus erhielt einen völlig neuen Inhalt. Es galt nicht mehr, jüdische Bauern in Palästina anzusiedeln, sondern jeder Zionist hatte einen Schekel zu zahlen und auf den Charter zu hoffen, den Charter herbeizusehnen. Dann sollte ein großer Aufbruch stattfinden und die gesamie jüdische Nation in das Land der Väter übersiedeln, wo sie vor Pogromen und Austreibungen und allen andern Gewaltsamkeiten auf ewig sicher sein, wird. Der Judenstaat sollte die Judenfrage in der ganzen Welt endgültig I ö s e n, die kurz zuvor sogar in Frankreich durch die Dreyfus-Affäre sich stark verschärft hatte und alle Staaten beunruhigte, die darum ein vitales Interesse an ihrer endgültigen Lösung. und Beseitigung hatten und gern bereit sein würden, den Juden in Palästina die „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" zu garantieren. Seit dem ersten Baseler Kongreß ruhte über 10 Jahre lang jede positive kolonisatorische Arbeit in Palästina, dafür erregten die Kongresse einen förmlichen Taumel in der ganzen Judenheit. Aber im Orient horchte man immer wieder auf. In Europa, besonders in der Schweiz, leben zahlreiche hochgebildete Mohammedaner aller Stämme, denen der große Lärm der Zionistenkongresse nicht entgehen konnte. Dazu kam, daß, gleichzeitig von Aegypten und von Indien ausgehend, eine mächtige Bewegung den Islam aus moderner Basis kulturell, wirtschaftlich und politisch zu regenerieren strebte, um durch Aneignung europäischer Zivilisation ihn von europäischer Vormundschaft zu befreien. Da hieß es, die Juden kommen nicht mehr/ wie bisher, als friedliche Siedler, sondern als verkappte Eroberer, sie wollen ein Land/ das seit 1200 Jahren mohammedanischer Besitz ist, herausreißen und es unter europäisches Protektorat stellen, und hinter ihnen schreitet Gott weiß welche unheimliche Macht; das Märchen von dem gewaltigen Einfluß der jüdischen Finanzmänner auf die Politik -findet natürlich im Orient noch mehr Gläubige als in Europa. Geschürt wurden diese Meinungen von