Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-06-01
- Page
- 199 (sequence 4)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 199 Gegenteil zutrifft. Und wie viele Seelengualen haben jene „Glücklichen" auszustehen, denen es nach unsäglichen Mühen gelungen ist, in die Polizei eingereiht zu werden, um die Sicherheit im Lande schützen zu dürfen. Sie leiden, weil sie Söhne jenes Volkes sind, für welches das nationale Heim im Lande , seiner Väter erbaut werden soll. .. Als die Dinge weit genug gediehen waren, und man die Juden genügend erniedrigt und gedemütigt hatte, erlaubte man den Einwohnern von Sichem, unsere Nationalbank aus dieser ehemaligen jüdischen Königstadt zu vertreiben. Es half ihr nichts, daß sie Ang.lo-Palästina- Bank hieß. Wir erinnern uns, daß unter der türkischen Regierung die Bewohner von Sichem die Juden baten, dorthin zu kommen, eine Zweigniederlassung der Bank dort einzurichten und sich in der Umgebung anzusiedeln, im Bewußtsein, daß die jüdische Kolonisation der Nachbarschaft Segen bringt. Erst jetzt, unter den neuen Bedingungen, sind wir in Erez Israel mit einer Stadt beglückt worden, deren Verwaltung für Leben und Gut eines Ankömmlings die Garantie nicht übernehmen will, wenn dieser ein Jude ist. Und diese Regierung, Vertreterin einer welterobernden Nation, schämt sich nicht, dies öffentlich zu erklären... Von da ab nehmen die Dinge einen folgerichtigen Verlauf: Versammlungen, Proteste, Demonstrationen. Eine Agitations- Literatur entsteht. Die neue Regierung sieht dem allem zu, schweigt und begünstigt im stillen die Rädelsführer der gegen uns gerichteten Agitation. Die Araber kommen zu derselben Ueberzeugung, die der russische und rumänische Pöbel hegt, daß nämlich gegen die Juden alles erlaubt sei. Die Regierung aber beruhigt uns: es werde nichts passieren, alles wird in bester Ordnung bleiben. Und gleich wie in Rußland und Rumänien die Beruhigungen 'mit Pogromen endeten, mit der Unterdrückung des Selbstschutzes, mit der Beschuldigung der Juden, daß sie die Angreifer waren, schließlich mit der Bestrafung der jüdischen Selbstwehr für ihre Absicht, dem Pogrom zu steuern — ganz genau so verliefen die Dinge in Jerusalem. Ein und dasselbe System gilt für alle Pogrome, zu allen Zeiten und an allen Orten. Das ist die Lehre und der Segen, die uns die neuen Herrscher des Landes beschert haben zum Fest unserer Freiheit, als Erinnerung an dem Auszug aus Aegypten . . . Wir fordern eine Untersuchung . . Die Zeit der Versprechung und der Worte ist vorüber. Wir wollen Taten sehen. Die Balfoursche Erklärung ist eine Verpflichtung der mächtigen britischen Nation." Indessen kam die Sache nur für die Zionisten und die Balsourgläubigen überraschend. Schon seit dem ersten Baseler Kongreß, zumal feit Herz! den Kaiser Wilhelm auf palästinensischem Boden begrüßte, schöpfte die ottomanische Regierung Verdacht gegen die Einwanderung der Juden, und unter den Arabern fing es an zu garem Nach dem Wiener Kongreß brachte die Warschauer„Hazephira"arnl9. September 1913 folgende Meldung: „Der Wiener Ziorustenkongreß hat in den arabischen Zeitungen Syriens einen großen Sturm hervorgerufen; fast sämtliche arabischen Blätter in Damaskus und Beyrut haben wie auf Befehl große Artikel veröffentlicht, in welchen auf die Gefahr hingewiesen wird, die dem arabischen Volke vom Zionistenkongreß droht, der gekommen sei, um den Arabern ihr Land wegzunehmen. Die Zeitung „Karmel" schlägt auch die Abhaltung eines Antizionistischen Kongresses vor. Dieser Vorschlag wird in den Kreisen der Araber mit großem Enthusiasmus ausgenommen, und wird auch, vorausgesetzt, daß die Regierung die Erlaubnis erteilt, zur Ausführung gelangen." Das war nur ein Durchgangspunkt der seit Ausbruch des politischen Zionismus 1896 durch die zionistische Agitation angefachten arabisch-nationalistischen Bewegung. Seil seiner Entstehung anfangs der achtziger Jahre bis zum Auftreten