Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-06-01
- Page
- 198 (sequence 3)
- Language
- German
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ISS deutschen Reich der Polizei verantwortlich ist, rnehrere Haupträdelsführer, darunter der Redakteur der „Suria Ganubia4*', wurden gegen Kaution aus der Haft entlassen und sind nach Damaskus entflohen. Am 26. April ordneten die Rabbiner von Jerusalem einen allgemeinen Fasttag an. Inzwischen brachte die fromme „Jüdische Presse" in Berlin, Organ des Misrachi, in ihrer Nummer vom 19. April einen ellenlangen Bericht über den Delegiertentag und an versteckter Stelle folgende kleine Notiz: Konflikt zwischen Juden und Mohammedanern. Ein Reuter-Telegramm, datiert vom Montag, 5. April, Jerusalem berichtet: „Ein ernster Konflikt ereignete sich zwischen Juden und Moslemiten, 183 Menschen wurden teils getötet, teils verwundet; Verwaltung und Militärbehörde haben die Situation in der Hand. Die unmittelbare Ursache des Konflikts ist zurzeit noch ziemlich dunkel." Und die „Jüdische Rundschau" vom 16. April jubelte: „Palästina ungeteilt, und der Zugang frei!" Die Stimmung unter den Juden im Lande malt ein Leitartikel des Jerusalemer hebräischen Tageblattes „Haaretz" vom 12. April, welcher gewaltige Zensurlücken ausweist: „Der Pogrom kam zur üblichen Zeit, wie alle Pogrome, am Pessachseste. Er kam nach alten hergebrachten Regeln und überliefertem Ritus: r aufreizende Reden, Faisfals Bildnis, E>teinwürfe, Plünderung, geschändete Frauen, Brandstiftung, Zerrissene Thorarollen, Blutvergießen und Metzeleien. Für Judenpogrome gibt es ja eine alte Technik, ein überliefertes System. Auch in Jerusalem ist man davon nicht abgewichen ...' Alles ist systematisch vor sich gegangen. Am uns die Balfoursche Deklaration aus dem Kopfe zu schmgen, bemühten sich allerlei Behörden und Würdenträger mit allen Mitteln. Schon am 2. November 1918, als wir den ersten Jahrestag der Deklaration feiern wollten, befahl uns die Polizei, unsere nationalen Fahnen zu entfernen... An demselben Tage wurden die Schulkinder überfallen, die Lehrer geschlagen und die Fahnen zerfetzt. Die Anstifter? wurden nicht bestraft, und die Behörde legte uns nahe, das heißt sie befahl uns,.die Sache ruhig hinzunehmen Man verbot unsere Nationalhymne, 'die hebräischen Aufschriften auf den Postkästen wurden entfernt — was alles unter der früheren (türkischen) Herrschaft ganz unbekannt war... Und doch bilden wir in Jerusalem die Majorität. Jerusalem ist unsere heilige Stadt, unsere Hauptstadt — dennoch ernennt die neue (englische) . Regierung zu Mitgliedern des Stadtrates unsere geschworenen Feinde, die uns und unsere Sprache mißhandeln, den Straßenpöbe! gegen uns aufhetzen, während sie unsere Steuergelder verzehren. Sie werden nicht bestraft, sondern genießen noch Ehre und Würden... Die Aemter im ganzen eroberten Gebiet werden besetzt mit arabischen Junkern, Söhnen der verschiedenen Effendis, die uns unterdrücken, wo sie nur können, mit Gift und Haß gegen unsere Existenz im Lande ankämpfen.... Unter der neuen Regierung, zu deren ersten politischen Aufgabe es, wie uns zugesichert wurde, gehören sollte, den Boden für die Aufrichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk zu bereiten — unter eben dieser Regierung zeigt sich uns ein System, welches'der Valfourschen Deklaration schnurstracks Zuwiderläuft. .Die Einwanderungserlaubnis für einen Juden ist rar wie das große Los. Will ein Jude in der Stadt einen Gasthof pachten, bedarf er der himmlischen Gnade, denn die Regenten des Landes legen ihm alle möglichen Hindernisse in den Weg. Gilt es aber, eine Fabrik, eine Bodenbesitzung zu pachten, oder ein neues Gebäude auszu führen, oder gar ein Unternehmen, das der Förderung und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes dient, dann hilft dem Juden auch die himmlische Gnade nicht. Der Jude vertrödelt eine große Summe von Energie, während der Araber seine Angelegenheiten ruhig ordnen kann, denn er findet immer eine genuine Umgebung und ein freundliches Entgegenkommen der Behörden, wovon beim Juden das