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Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 197

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-06-01
Page
197 (sequence 2)
Language
German
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197 Jüdische Rundschau Zeitung „Suria Gamibia* in Jerusalem YgaiU in feen Letzten Wochen einen gemeingefährlichen Charakter angenommen und wurde von den Anhängern der Fa iss al-Partei im ganzen Lande unterstützt. Die britischen Regierungsorgane taten dagegen sehr wertig, und so glaubten die Agitatoren, daß ste recht handelten, wenn sie von der politischen Demonstration und den giftigen Zeitungsartikeln zu blutiger Tat übergingen. Als die Piltz erfcharen in Jerusalem beisammen waren, hielten die Rädelsführer der zudenfeindlichen Partei stundenlange Hetzreden an die Menge und forderten sie auf, die Juden aözuschlachten? Das Bild des Emirs Faissal wurde der Menge gezeigt, und er selbst als König aller Araber feierlich begrüßt. Die rechtzeitig in Kenntnis gesetzten englischen Behörden ergriffen keinerlei Abwehrmaßregeln. Die araöisch-beduinischen Scharen fielen über die jüdischen Quartiere her, drangen in die Läden und Häuser ein, zerstörten und schlugen alles nieder, was ihnen in den Weg kam. Bereits am ersten Tage gab es zwei Tote und über 100 Verwundete unter den Juden. Die von der jüdischen Jugend in aller Eile organisierte Selbstwehr wurde von den mit den'Aufrührern gemeinsame Sache machenden arabischen Schutzleuten und auch von den britischen Behörden an der Abwehr gehindert. Die innere Stadt, wo in den engen Gaffen zwischen der Via Dolorosa und der Klagemauer die herzzerreißenden Szenen sich abspielten, wurde militärisch abgesperrt — für die Juden die dorthin wollten, um ihre Angehörigsn zu schützen, während die beduinischeu Räuber dort ruhig gelassen wurden. Einige jüdische Führer, darunter auch der britiscb-jüdifche Offizier Jabotinsky, wurden verhaftet wegen unbesugteu Waffentragens. Indische Soldaten haben aus demselben Grunde ^wei jüdische Jünglings von der Selbstwehr kurzerhand erschossen. Die Metzeleien wiederholten sich am Montag und Dienstag, ohne daß es der Behörde gelingen wollte, dre Ruhe wiederherzustellen. Das Fazit ist folgendes: b^Tote, über 190 Verwundete. Eine Synagoge wurde niedergebrannt, die Thorarollen wurden geschändet und verbrannt. Zwei junge Mädchen wurden vergewaltigt und zahlreiche alte Männer und Frauen zu Krüppeln geschlagen.. Die arabischen Herbergen und Unterkunftsorte find voll geraubten Gutes, die Straßen weiß von ausgeschüLLeLem Mehl mtb Zerstobenen Federn. Schmuck wurde von Ohren und Fingern, in einzelnen Fällen mitsamt den betreffenden Gliedern, weggerissen. Die Pogromveranstalter ermutigten ihre Genossm■ während all dieser Ereignisse mit dem Ruf: „Die Regierung ist auf unserer Seit e!" DieRegierung ergriff schließlich, nachdem die Pogrome bereits vollendet waren, strenge Maßregeln. Der Belagerungszustand wurde verhängt, die PrävenLwzerrsur eingeführt usw. ... Der Eindruck der Vorfälle in Jerusalem ist ein lähmender. Mit einem Schlage hat das ganze Leben im Lande den Charakter der Unsicherheit und S t a g n a 11 o'n angenommen. Niemand weiß ja, was der n ä ch st e T a g b r i n g e n mag. Man kann sagen, daß der effektive Schaden, der derm Lande durch die infolge des Pogroms geschaffene Lage entsteht, in die Millionen geht " Das englische Kriegsgericht verurteilt zwei (Zwei!) Araber ^u je fünfzehn Jahren Zuchthaus wegen Plünderung und.Brandstiftung, und Fabotinsky nebst neunzehn anderen Juden, die die Selbstwehr organisiert hatten, wegen unbefugten Waffentragens, ersteren ebenfalls zu fünfzehn Jahren Zuchthaus, die anderen 1§ zu je drei Fahren Zwangsarbeit. Am 22. April wurde Jabotinsky nebst seinen Genossen in SLräflingsgewändern durch die Stadt geführt, damit sich die Araber ein Beispiel an ihm nehmen. Die Vertreter Großbritanniens in San Remo hatten nämlich, ganz unzweideutig geäußert, daß der Pogrom in Jerusalem eine Schmach für England sei, die nicht ungesühnt bleiben darf. Das arabische Stadtoöerhaupt von Jerusalem, des für die Haltung

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