Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-06-01
- Page
- 195 (sequence 6)
- Language
- German
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ZeUschaa 105 bindung gebracht werden. Ein jeder fühlt die Verpflichtung, sich mit uns zu beschäftigen, sei es, um seine eigene Person in besonders Hellem Lichte leuchten zu lassen, sei es, um uns wieder einmal als Parias der Menschheit vorzuführen. Ein Ereignis, das eigentlich nur innerjüdische Bedeutung hat, trägt in diesen Tagen dazu bei, die Aufmerksamkeit, die man „liebenswürdigerweise" dem Judentum zuwendet, zu erhöhen. Die Konferenz der leitenden Staatsmänner der Ententestaaten in San Remo hat in den Friedensvertrag mit der Türkei jene Balfoursche Zusicherung, dass inPalästina denJuden eine nationaleHeim statte zu gewähren sei, als Vertragspunkt ausgenommen. Obwohl die Nachrichten darüber noch höchst unbestimmt.und teilweise widersprechend lauten, haben d ie, die die nationale Autonomie erstrebten, sie mit außerordentlichem Jubel begrüßt. Das ist an sich durchaus verständlich. Man .könnte es auch begreifen, daß in der Freude des ersten Augenblickes jene bislang immerhin nur aus dem Papier stehende Zusicherung schon als längst vollendete Tatsache hingenommen und alle Schwierigkeiten, die sich der endgültigep Realisierung entgegenstellen, übersehen würden. Denn'es mutet eigenartig an, wenn in den zionistischen Blättern, in denen vorne in Riesenlettern dieser Beschluß mitgeteilt wird, hinten Berichte veröffentlicht werden, die von der furchtbaren Gegnerschaft der eingeborenen Araber gegen die eingewanderten Juden Zeugnis äblegen. ' Unsere Stellung zum Judentum — gegenüber Auslassungen, die den Anschein erwecken sollen, als ob, die Gesamtheit der deutschen Juden dieses Ereignis als eine grundlegende Umwälzung des jüdischen Problems überhaupt ansieht, ist diese Feststellung erforderlich — wird durch diesen Beschluß in keiner Weise geändert. Wir können uns nach wie vor nicht einer Auffassung anschließen, die das Judentum zu einem knetbaren. Werkzeug der englischen Suprematie macht. Und wenn man uns von Nationaljüdischer Seite den Vorwurf macht, daß wir Augendiener unserer Umgebung sind, so ist unsere Haltung zu dem uns angestammten deutschen Heimatlands jedenfalls nicht zu vergleichen mit der Ergebenheit, mit der man jetzt denen gegenübersteht, die ein zunächst papiernes Recht erteilt haben. Mag nun auch immer in Palästina eine höhere Zuflucht für Juden, die sie wünschen, erreicht werden — wir bleiben dadurch, was wir waren: deutsche Juden. Wenn' allerhöchstens zwei Millionen Juden der nationalen Autonomie teilhaftig werden können, so hat das auf die nationale Orientierung der Masse keinen Einfluß. Deutschsein ist kein politischer und daher veränderlicher