Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-06-01
- Page
- 194 (sequence 5)
- Language
- German
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„Saxs - Thuringia" in Jena der Verruf des „Schlagenden Verbandes" (Zusammenschluß der großen studentischen Korporationen, die sämtlich die Inden ausschließen) verhängt sei. In Jena hat aber weder jemals eine K. C.-Verbindung bestanden, noch besteht sie heute. In den Lesern der Hochschulbeilage wird jedoch durch diese Lüge die Auffassung wachgerufen, als ob auf allen Hochschulen lückenlos die Unterdrückung der jüdischen Studenten durchgeführt sei. Man sieht, daß an dieser Verlogenheit in der Hauptsache die antisemitische Presse beteiligt ist. Die antisemitische Presse verlogen? So hören wir rufen! Ist denn das nicht gerade die Presse, die ein solch bewegliches Jammergeschrei anhebt über die durch die jüdische Presse hervorgerufene Demoralisierung des deutschen Geisteslebens? Gewiß! Die judengegnerischen Blätter ergehen sich noch immer in recht lauttönenden Klagen über den Tiefstand, den die sogenannte jüdische Presse erreicht hat. Wie es sich mit dieser „jüdischen Presse" verhält, haben wir früher einmal des ausführlicheren dargelegt. Den Tiefstand, den die „antisemitische Presse" einnimmt, hat jedoch keine Presse, am wenigsten die „jüdische Presse" erreicht. Wenn man die Fanfarenträger der deutschvälkischen Bewegung, die „Deutsche Zeitung", die „Wahrheit", den „Völkischen Beobachter" und gar erst das Leiborgan des edlen Herrn Kunze, Reichstagskandidaten der Deutschnationalen Volkspartei, das „Deutsche Wochenblatt", hört, dann graut einem vor soviel Verlogenheit und wüster Pöbelei. Wenn diese Blätter dem „Berliner Tageblatt" und der „Frankfurter Zeitung" vorwerfen, daß sie nur der Sensationslust des Publikums Rechnung tragen, so sollten sie nicht übersehen, daß ihr eigener Inhalt nur auf die gemeinsten Instinkte der Massen eingestellt ist. Zeile für Zeile nichts weiter als eine Aneinanderreihung von Schimpfereien, zum meisten auch noch erlogener Schimpfereien, gegen die Juden. Und das, was in der „Deutschen Zeitung" ihr Verlagsdirektor und Hauptschriftleiter, Herr Reinhold Wulle, ebenfalls Reichstagskandidat der Deutschnationalen Volkspariei, fertigbringt, das hat bisher, zweifellos weder der Hauptschriftleiter des „Berliner Tageblatts" noch der der „Frankfurter Zeitung" fertiggebracht; er bezeichnet sich nämlich in fast jedem seiner Wochenleitartikel als die Persönlichkeit, die am meisten geeignet sei, das deutsche Volk in bester Weise zu führen- und deren Wahl zum Reichstag daher unbedingt zu empfehlen sei. Ob nicht seinen eigenen Freunden etwas grausig wird, wenn sie diese Ausführungen ihres- Freundes lesen! Man erkennt allmählich, daß es wenige Dinge in unserem gesamten Leben gibt, die nicht mit dem Judentum in Ver-