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Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 196

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-06-01
Page
196 (sequence 7)
Language
German
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196 Im deutschen Reich Begriff, sondern eine innere Erkenntnis und ein inneres Erlebnis. So wird und muß es bleiben! In diesem Sinne erwarten wir den Wahltag und werden unsere Pflicht tun. Antisemitismus ist etwas, was heute uns nicht nur als Juden, sondern auch als Deutsche clngehen muß. Antisemitismus ist Unmoral und Unkultur. Deshalb Kampf ihm! Das deutsche Volk, das heute eine Entwicklungszeit sonder Beispiel durchwacht, muß sich von dieser Schlacke reinigen. Nur dann wird es den Weg zuw Ausstieg, der unser aller Aufstieg ist, gehen können. K. A. (17. Mai 1320.) Erging ein großer Jubel durch den zionistischen Blätterwald: Messias ist gekommen, die Geülah (Erlösung) ist angebrochen, mit der neuen Weltepoche hat die neue Periode der Geschichte der jüdischen Nation begonnen ... Festversammlungen wurden abgehalten, Hymnen gelungen, schwungvolle Reden stiegen auf, unerhörte Begeisterung ließ die Herzen höher schlagen und umnebelte die Köpfe; das Golus ist zu Ende, nach zweitausendjährigem Umherirren durch die ganze Welt hat der müde Wanderer, endlich Ruhe gefunden, bas Land seiner Väter ist dem Volke Israel wiedergegeben worden zum ewigen Erbe... Surs-am corda! Die mit duftendem Palastinawein gefüüten Becher kreisten in der Runde... Um die Festesfreude nicht zu stören, überhörte und unterdrückte man die Schreie des Jammers, des Entsetzens und der Entrüstung, die aus dem Heiligen Lande, aus der Heiligen Stadt herübsrhallten, . . Was war geschehen? Eine Kleinigkeit: Pogrome waren in Jerusalem ausgebrochen! Vom 4. bis zum 6. April, just am Pessachfeste, Lange bevor der Oberste Rat in San Remo Palästina endgültig der jüdischen Nation wiedergegeben hatte, wütete in der Stadt des Königs David drei Tage lang ein Pogrom, ein richtiger Pogrom nach streng russischem Ritus, unter den Augen der englischen Militärmacht. Der Zionist Dr A. Braunstein, der die ganze Kriegszeit hindurch in der „Zürcher Zeitung" die öffentliche jüdische Meinung im Interesse Englands zu bearbeiten nicht müde wurde, und seit mehr als einem Jahre dies vom Orient aus besorgt, beschreibt in einem Brief aus Jaffa die Vorgänge in der genannten Zeitung vom 3. Mai wie folgt: „Im Jahre des Heils 1920, im Zeichen der britischen Militärverwaltung in Palästina ist in Jerusalem das passiert, was seit dem Tage der Kreuzfahrer selbst Ln den dunkelsten Winkeln des Orients nicht mehr für möglich gehalten worden wäre: die Heilige Stadt war während voller drei Tage der Schauplatz eines Judenmassakers, das seinesgleichen nur in den südrussischen Pogromzentren suchen dürfte. Am Sonntag, 4. April ver-, sammelten sich einige tausend Araber aus der nahen und ferneren Umgebung von Jerusalem, um nach der den Mohammedanern heiligen Grabstätte des Nebi Musa (Prophet Moses) am Jordan zu pilgern. Seit Jahrzehnten wurde diese von Abdul-Hamid eingeführte Zeremonie friedlich und in bester Ordnung begangen, heute sollte sie verhängnisvoll werden. Die antijüdifche Agitation der großarabischen Gruppe um die

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