Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 189

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
Professor Droogstoppel
Date
1920-06-01
Page
189 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316900-2316906-2357546--31205-2357595
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Professor Droogsioppe! 189 gelehrte Forschung kontrolliere und nun noch gewisser wisse), So unwahrscheinlich nun und so unmöglich jene Wunder sein mögen, so sind sie doch stets auf die höhere Wahrheit zurückzusühren, in deren Dienst die ihr verwandte und gehorsame Phantasie sie erzeugt hat. Israel ist trockenen Fußes durch das Meer gezogen, indessen die Wasser rechts und links wie eine Mauer standen. Ein Droogstoppel mag leicht ausrechnen, wie lang die Marschkolonne gewesen sein und wie viel Stunden und Minuten es gedauert haben muß, es ist dennoch wahr: dies war und ist der Weg Israels durch die Geschichte. „So spricht der Herr, dein Schöpfer, Jakob, und dein Bildner, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich erlöse dich, ich rufe dich bei deinem Namen: Du gehörst mir! Wenn du durch Wasser schreitest, so bin ich mit dir, und wenn durch Ströme, so werden fie dich nicht ertränken; wenn du durchs Feuer gehst, wird es dich nicht verbrennen und die Flamme dich nicht verzehren." Wie unfähig der Verfasser ist, den Geist der biblischen Geschichte zu begreifen, zeigt er in charakteristi- scher Weise z. B. bei der Schlacht von Ai. Dort hatten die Jsraellten eine Niederlage erlitten, die Volk und Führer mutlos und verzweifelt macht. Da wird dem Josüa die Ursache offenbart: „Israel hat gesündigt, meinen Bund haben sie übertreten, sie haben von dem Verbotenen und Gebannten genommen, sie haben gestohlen, sie leugnen ab und haben noch beiseite gebracht. Darum können sie nicht vor ihren Feinden bestehen. Sie sind selbst zum Banne geworden, und ich kann nicht ferner mit euch sein, wenn ihr nicht den Bann aus eurer Mitte tilget." (Welch ein trefflicher Text für eine Büßpredigt nach einem verlorenen Kriege!) Die Sache wird untersucht und es ergibt sich, daß ein gewisser Achan laut, eigenem Geständnis sich verbotenes Gut angeeignet hat: „ich sah unter der Beute einen schönen babylonischen Mantel und 200 Sekel Silber und eine Stange Gold, da hatte ich Lust danach und nahm fie. Sie sind in meinem Zelte versteckt." Dort werden die Sachen in der Tat gefunden. Da wird Achan von der ganzen Gemeinde gesteinigt und zum Andenken ein großer Steinhause errichtet, das Tal aber erhält den Namen Tal Achar, des Verderbers von Israel. Es ist klar, was die Erzählung lehren will: Israel soll einen Kampf nicht führen, um sich zu bereichern. Wer dazu die Gelegenheit benutzt, vergiftet ihn und wird selber zum verderblichen Gift für sein Volk. Darum muß er ausgemerzt werden. Der Versasier (27) weiß keine andere Erklärung, als daß „die Verletzung der auch damals als unerläßlich geforderten militärischen Disziplin gesichert werden sollte"! Die wünderhafte Form, die man den religiösen und sittlichen Ueberzeugungen von den in der Geschichte eigentlich und letzthin wirksamen Kräften gab, mußte durch das Wissen und die Ausdrucksweisen der Zeit und des Kulturkreises zubereitet werden. Dementsprechend hielt man die Wunder auch für buchstäblich wahr, solange man sich gegen Unmöglichkeit und ~ Unwahrscheinlichkeit unkritisch und gleichgültig verhielt. Aber danken wir Gott, daß es vor unserem historisch und naturwissenschaftlich genauen Zeitalter ein anders gerichtetes gegeben hat, das gerade durch seine naive Denk- und Ausdrucksweise befähigt war, tiefsinnige und gedankenreiche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.