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Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 188

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
Professor Droogstoppel
Date
1920-06-01
Page
188 (sequence 8)
Language
German
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188 Im deutschen Reich die erforschen und darstellen will, „wie es eigentlich gewesen ist", ist dem-Altertum durchaus unbekannt. Alle antiken Geschichtswerke gehören nicht der exakten Wissenschaft an, sondern haben irgendeine praktische Tendenz, ohne die ein Geschichtsschreiber überhaupt nicht die Feder angejetzt hätte, sei es eine religiöse, moralische, politische oder ästhetische. Sie bestimmte die Auswahl, Darstellung und Begründung. Die Tendenz der israelitischen Geschichtsschreibung ist nun durchaus und in stärkster Betonung eine religiös-nationale und religiös-sittliche. Ihr kommt es vor allem, ja einzig, darauf an, zu Demut und Gottesfurcht zu erziehen. Das Volk saß in einem schönen und fruchtbaren Lande, das „von Milch und Honig floß". Keine Gefahr war größer, als daß es „aß und satt wurde und sich sein Sinn erhob und es sprach: meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir all diesen Wohlstand verschafft". Darum ist es die höchste Sorge seiner großen Lehrex, ihm immer wieder einzuschärfen, daß es dieses Land einer höheren Macht, die es gnadenreich und wunderbar geführt, zu verdanken habe. . Nicht bloß die Geschichtsschreibung, sondern auch die ganze pentateuchische Gesetzgebung vom ersten Worte des Dekalogs an („der ich dich aus Aegypten geführthabe, dem Hause der Knechtschaft") ist darauf eingestellt: Israel sollte sein Heil in dem Bewußtsein finden, daß es in Kanaan nicht a u i o ch t h o n s e i. Es ist erst von woanders her, aus Aegypten und der Wüste, eingezogen, und hat es durch den allmächtigen Beistand Gottes erkämpft. Darum wird, und das ist ja eben der unschätzbare Wert und die Unersetzlichkeit der,biblischen Geschichte, mit einzigartiger Energie zum wahren Urheber alles Geschehens Gott gemacht. Er ist der eigentlich Handelnde. Man lese z. B. das Lied am Roten Meer. Es ist ein Siegeslied nach dem Untergang Pharaos und seines Heeres. Aber wie anders lautet es als andere Siegcslicder! Kein Wort von den Heldentaten Israels und von Menschenruhm. „Dem Ewigen will ich singen, denn er ist hocherhaben, Roß und Reiter stürzte er ins Meer. Mein Sieg und Sang ist Gott, er ward mir zum Heil. Dies ist mein Gott, ihn will ich verherrlichen, der Gott meines Bakers, ihn will ich erheben. Der Herr ist der oberste Kriegsherr, Ewiger ist sein Name." Und nun schwingt sich das Lied in glcichgefügten Toppelansätzen immer höher, um auszuhallen in dem Huldigungsruf: „Der Ewige ist König-immerdar!" Daraufhin ist denn auch schon die ganze vorangehende Geschichte angelegt und geformt. Weiß man einen besseren Geschichtsunterricht, um zur Demut zu erziehen als dies: „Nicht uns, o Herr, nicht uns"? Darum treten die natürlichen Verknüpfungen und irdischen Nebenumstände der Vorgänge bei der Eroberung fast gänzlich zurück oder werden durch gottgewirkte Wunder überschattet. Sie waren nicht unbekannt, aber gegenüber dem religiös-pädagogischen Hauptzweck interessierten sie nicht und man fand sich nicht gehalten, auf ein späteres Geschlecht Rücksicht zu nehmen, dem gerade dieser Hauptzweck gleichgültig sein würde und für dessen antiquarisches Interesse es viel wichtiger gewesen wäre, z. B. die genauen geographischen und chronologischen Daten zu erfahren (erstens damit man siet als schätzenswertes Wissen vereinnahme, zweitens damit man sie durch

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