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Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 190

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
Professor Droogstoppel
Date
1920-06-01
Page
190 (sequence 10)
Language
German
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180 Im deutschen Reich Schöpfungen von unvergänglicher Frische, poetischem Zauber und erbaulicher Wirkung hervorzubringen. Wenn diese Form dem Wendländer oft fremdartig erscheint, so darf man sie nicht voreilig als „orientalisch" abtun. Die „Orientalen" hatten nicht weniger Verstand als wir. Es hat auch eine Zeit gegeben, da man eifrig bestrebt war, alle Wunder „natürlich" zu erklären. Nachgerade aber fühlte man doch zu stark die Gewaltsamkeiten, Unaufrichtigkeiten und Plattheiten dieses Verfahrens. Wohl aber ist wissenschaftlich und berechtigt das Bemühen, den tatsächlichen Kern zu ermitteln, ohne den sich die verklärende Erzählung gar nicht gebildet hätte. Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Der tiefste Grund des Eotteswunders aber ist der Protest der Freiheit gegen das Gesetz, gegen die Unterjochung durch die Natur, deren unentrinnbar gesetzmäßiges Walten nicht das letzte Wort sein soll. Der freie Gott ist das Seitenstück zum freien Menschenwillen, der ein ebenso großes Wunder ist. So widersprechen auch alle Beschreibungen von Jenseits, Auferstehung und dem Leben nach dem Tode, wie sie die religiöse Dichtung ausgemalt hat, der Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit und sind dennoch wahr, insofern sie in mannigfacher Weise blldhast die Ueberzeugung ausdrücken, daß alles wahre Sein unzerstörbar und das letzte Wort nicht Tod sondern Leben heißt. Wir sind also gar nicht erschüttert, wenn uns nun auch noch die natürlichen Verumständungen der Eroberung des Landes Kanaan nachgewiesen werden und hinter dem geistlichen Vordergrund noch ein weltlicher Hintergrund aufgezeigt wird. Womit nicht gesagt sein soll, daß wir solche Bereicherung unseres Wissens etwa Prof. D. verdanken. Sein Buch ist durchaus laienhaft. Es bringt nicht das geringste Neue und ist nur eine agitatorische Aufmachung längst bekannter und schon unzählige Male gesagter Dinge. Als herzhafte Rationalisten gleich allen denkenden Juden aller Zeiten werden wir uns nicht sträuben, Klarstellungen anzunehmen, da die eigentliche geschichtliche und religiös-sittliche Wahrheit ja doch niemals umgestoßen werden kann. Ms eine „große Täuschung" kann die biblische Geschichte nur verwerfen, wer sich mit seinem Kinderglauben um alles betrogen fühlt oder »E ch für langen Druck eines buchstäblichen Jnspirationsglaubens rächen will, was ja ziemlich ungefährlich ist, solange es sich nur am Altes Testament und Juden handelt. Je mehr sich der Wahlkampf feinem Kulminationspunkte nähert, um so mehr wird — naturgemäß — von den berufsmäßigen politischen Persönlichkeiten versucht werden, die politischen Leidenschaften der Massen aufzupeitschen. Es ist das dieses Mal vielleicht um so notwendiger, weil eine gewisse Müdigkeit und Gleichgültigkeit diesen Dingen gegenüber sich bemerkbar macht. Die Tatsache kann nicht übersehen werden,

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