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Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 187

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
Professor Droogstoppel
Date
1920-06-01
Page
187 (sequence 7)
Language
German
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Professor Droogstoppcl 187 welch ein dankbarer Gegenstand für die Berechnungen der Herren^ Professoren D. und Herzfeld!). Ja, das ganze Dasein des Heilands beginnt mit einem unmöglichen Wunder und endet mit einem ebenso unmöglichen. Er wird geboren von einer Jungfrau, und nachdem er schon gestorben und begraben, ist, wird er wieder lebendig und fährt gen Himmel. Nun besteht aber zwischen den Wundern des Alten und des Neuen Testaments ein fundamentaler Unterschied. Die letzteren sind für den christlichen Glguben nicht nur wesentlich, sondern dieser beruht aus ihnen. Ohne sie gäbe es überhaupt kein Christentum. Wer nicht daran glaubt, daß Jesus von der Jungfrau Maria geboren und nach seinem Tode wiederauferstanden ist, der ist nach dem apostolischen Glaubensbekenntnis kein Christ. Die einzelnen Wundererzählungen des Alten Testaments aber sind für das Judentum durchaus unwesentlich. Denn dieses besteht (wenn es auch auf Geschichte beruht) in Einer großen Wahrheit, die weder Geschichte noch Erfahrung noch Wissenschaft entwurzeln können: in dem Bekenntnis zu dem einen Gott, woraus alles andere folgt. Würden alle Wundergeschichten des Wien Testaments in ihm fehlen, würde man diese Blätter aus der Bibel herausreißen, so würde sich am Judentum nicht das geringste ändern. Es ist wahr, die Wunder stehen mit der Wahrscheinlichkeit, der Erfahrung und den Gesetzen von Raum und Zeit in Widerspruch, und dennoch sind sie in noch höherem Grade wahr, als wenn sie damit übereinftimmten, weil sie nämlich vom Volke Israel erzählt wurden. Es kann geschehen, daß ein müßiger und überspannter Kopf Märchen ersinnt, die jedes tatsächlichen Kernes entbehren. Aber was ein Volk erzählt, um sich' seine eigene Wirklichkeit und die vor aller Augen liegenden Grundtatsachen feiner Existenz und die mächtigen Wirkungen seiner großen Männer zu erklären, ist der sprechende Beweis zunächst für den überwältigenden Eindruck dieser Tatsachen und Persönlichkeiten und damit für sie selbst. Die Wunder sind das Anerkenntnis der Bewunderungs Würdigkeit und sein populärer Ausdruck. Das Wunder ist des Glaubens Kind, nicht - seine Mutter. Der Efeu, der sich um einen Stamm rankt, ist ein Beweis für das Dasein dieses Stammes, auch wenn man nichts mehr von ihm sieht. Die einzelnen Wunder, und wenn sie noch so ungeschichtlich sind und aus lauter Unmöglichkeiten bestehen, sind nur eine Zersplitterung des einen großen „Wunders", das unleugbar ist und auf das es wenigstens für das A. T. allein ankommt. Dies unleugbare und geschichtliche Wunder ist das Volk Israel und seine Geschichte. Die Existenz Israels kann nicht bestritten werden, denn es., lebt noch. Ebenso unbestreitbare Tatsache ist es, daß das Volk Israel einst im Lande Palästina saß und es als Fremdling betreten und nur unter Kämpfen errungen chatte, wovon Erinnerungen und Reste zeugten. Wie man den Eintritt ins Land und die Eroberung darstellte, das wurde durch den Zweck der Darstellung bestimmt. Wenn die Erzählung nicht Geschichte in unserem modernen Sinne ist, so konnte und s o l l t e sie es gar nicht sein. Eine Geschichtsschreibung,

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