Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Article
- Professor Droogstoppel
- Date
- 1920-06-01
- Page
- 185 (sequence 5)
- Language
- German
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Prozessor Droogstoppel 1S5 106 230 Mann,, und da man nicht anders als mit wenigstens einem Schritte Abstand marschieren kann, eine Kolonne von 106 230 Schritt Lange. (Nein! nur 106 229!) Den Schritt wiederum normal zu 0,80 Zentimeter angenommen, bedeutet das eine Länge von 84 384 (nein! 84 984), d. h. die Kolonne 84,4 (nein! 84,984! noch genauer 84,9772!) oder rund 90 mal (nein! ich gestatte höchstens zu sagen: 85 mal! so lang wie der zu wandelnde Weg. Es würde also 15 Stunden dauern, bis das letzte Glied der Kolonne an der Stelle des ersten Gliedes angelangt ist, wozu dann noch die 10 Minuten für den Umzug kommen. Wenn aber eine einzige Umwandlung der Stadt 15 Stunden 10 Minuten kostete, wie konnte dann Jericho an einem Tage siebenmal umwandelt werden! — Also ganz Droogstoppel. Uebrigens verdankt er diese geistreichen Berechnungen der Güte eines anderen Droogstoppel, des Herrn Prof. vr. Ernst Herzseld, der sie in einer Anmerkung noch weiter ausführt (23 sf., 108 f.). Will man aber wissen, was die Wahrheit über Jericho ist? Nicht Einsturz seiner Mauern durch die Macht der von Priestern siebenmal um sie herumgetragenen Bundeslade, sondern — man vernehme es mit Schaudern — Eroberung mittels Verrats einer zu diesem Zwecke bestochenen Hure!" (Vom Verfasser fett gedruckt.) Aber diese, Unmöglichkeiten und viele ähnliche (z. B. däß die bloß mit einem Dolche versehenen Israeliten die gutbewaffneten und todesmutig für ihr Land kämpfenden Bewohner besiegt haben sollen, daß die Beschneidung in der Wüste unterblieben und erst in Gilgal vollzogen sein soll, daß Josua bereits das Land verteilt und zu diesem Zwecke sogar kartographisch ausgenommen haben soll) sind noch nicht das Schlimmste. Viel trauriger, tieftraurrg sind die moralischen und religiösen Anstöße der ganzen Erzählung von der Eroberung des Landes. Wenn die Rahab die Kundschafter Josuas in Jericho über die Furcht der Kanaaniter vor Israel und seinem allmächtigen Gotte unterrichtet, so entrüstet sich Professor Droogstoppel über die Frechheit dieser Hure, die sich anmaßt, im Namen „aller Bewohner des Landes" zu sprechen, die sich mit „wir" und „uns" zum Sprachrohr der ganzen kanaanitischen Bevölkerung macht, noch erstaunlicher ist, daß die Männer sich mit dieser Auskunft als dem einzigsten Ergebnis ihrer Spionage zufrieden geben, am erstaunlichsten aber, daß Josua diesen Worten einer Person wie Rahab (Pfui! würde der alte Dr. sagen) ohne weiteres Glauben schenkt, Worten, die von A bis Z nach Gottes eigenem Urteil erlogen find! Erlogen. Denn der Verlaus der Geschichte beweist das Gegenteil (17). Daß die Israeliten, trotzdem sie nur mit einem Messer bewaffnete Nomadenhorden waren, starke Heere besiegen und große Schlachten (über die Könige Schon und Og) gewinnen, Macht unserem Gelehrten weniger Schwierigkeiten, als man nach dem Bisherigen eigentlich erwarten sollte. „Trotz der primitiven Bewaffnung (nur einem Dolch!) erklären sich Israels Waffenerfolge leicht (!) durch seine große numerische Ueberlegenheit, welche auch die von den Kundschafternbetonte Kleinheit und Schwächlichkeit der israelitischen Männer gegenüber den Eingeborenen des Landes