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Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 184

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
Professor Droogstoppel
Date
1920-06-01
Page
184 (sequence 4)
Language
German
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184 Im LeuLschen! Reich wenden höheren Schulbildung, andererseits aus unseren chinesischen Staats-, Prüfungs- und Gesellschaftsordnungen stammende denkfaule Autoritätsglaube der Gebildeten begreift viel schwerer als das einfache Volt, daß man ein Mandarine erster Ordnung und doch ein großer Esel, daß man approbierter Professor und doch ein Ignorant sein und ganze Bibliotheken über eine Sache schreiben kann, von deren wahrem Wesen man nie einen Hauch verspürt hat, daß oft gilt: „je gelehrter, je verkehrter", und in der „Wissenschaft" die querköpfigste Verschrobenheit, die bornierteste Beschränktheit und ein ebenso abgeschmackter wie gefährlicher Unsinn nisten kann. — Die kritischen Betrachtungen der „großen Täuschung" gelten also zuerst den altteftamentlichen' Berichten über Israels Eindringen in Kanaan. Zu diesem Zwecke prüft er die Angaben des Buches Josua. O, was muß er da erleben! Händeringend durchschreitet er das ganze Buch, beständig wimmernd: kann ja gar nicht wahr sein! Lauter Märchen, Täuschungen, Geschichtsverschiebungen, Unwahrheiten, Fälschungen! Besonderen Schmerz bereitet. ibm die Erzählung von der Einnahme Jerichos. Sie „strotzt von Unmöglichkeiten" und „ist wohl das Aeußerste, was orientalischer bzw. israelitischer Wunderglaube dem blindgläubigen Verstände der Leser des Alten Testaments zugemntet hat" (22 ] )* Die Bibel erzählt bekanntlich, daß die Israeliten sechs Tage hintereinander die Stadt umschreiten sollten, wobei sieben Priester mit Posaunen der Lade vorangehen sollten. Am siebenten Tage sollte man die Stadt siebenmal umwandeln. Beim siebenten Male sollten die Priester in die Posaunen stoßen und das Volk in ein lautes Triumphgeschrei ausbrechen, worauf die Mauern einstürzen würden. Und so geschah es. — Darüber nun ereifert sich Professor D. gar gewaltig. Jericho, die erste und wichtigste Grenzfestung des Landes, völlig ansgestorben! Kein Ausfall, wie ihn doch sogar die Bewohner des noch viel kleineren Nachbarstädtchens Ha-Ai zweimal machten. Kein Bogenschütze auf der- Mauer der Stadt, der auch nur den Versuch gemacht hätte, die Stadt zu verteidigen, oder den wenigstens die Neugierde getrieben hätte, die feierliche Prozession rings um die Stadtmauern mit anzusehen! Ganz Jericho, König und Krieger, während der ganzen Prozession sozusagen vom Erdboden verschwunden! Und nun erst gar, wenn wir uns die näheren Einzelheiten klarmachen! Wie die Ausgrabungen der Deutschen Orient- Gesellschaft - gelehrt haben, beträgt der Umfang der Mauern von Jericho nur etwa 750 Meter. Da sich die Prozession doch wohl aus Bogenschußweite von der Mauer ferngehalten haben wird, die Weite eines Bogenschusses ab^ kaum mehr als 40 Meter zu rechnen ist, dürfte in diesem Abstunde die zu den Mauern konzentrische Linie eine Länge von 1600 Metern gehabt haben. An sich würde ein Mann zum Umwandeln der Länge von 1 Kilometer nur rund 10 Minuten gebrauchen, aber es steht ja ausdrücklich geschrieben, daß alle Krieger die Stadt umschreiten sollten, d. h. also — die Stämme mit den 40 000 Mann der 2H Stämme zusammengerechnet? — 581 150. Nehmen wir nun an, daß dieses Heer in Gliedern zu fünf marschierte, so bedeutet dies eine Marschtiefe von

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