Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-05-01
- Page
- 169 (sequence 7)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 169 Heimatländern Polen, Ukraine, Rumänien so unendlich viel von den Pogromen und dem Boykott Zu leiden haben, werden samt untn sonders nach Palästina übersiedeln. Das stand groß und breit zu lesen in der New Zarter „The Nation" vom 26. April 1919, aus der Feder eines der einflußreichsten und hervorragendsten Führer der amerikanischen Judenheit. Nun, es sind vorläufig bekanntlich noch nicht alle Ostjuden nach Palästina übergesiedelt und ^schon haben wir in diesem Lande die Judenfrage mit allen ihren Schrecknissen. Utinain falsus vates sim! . . . Wie die Stimmung unter der arabischen Bevölkerung in Palästina (sowie in Syrien und Mesopotamien) augenblicklich beschaffen ist, m ü ß t e es mit Wunder zu g eh en, wenn nicht in her nächsten Zeit schon das Land unserer Väter zum Schauplatz richtiger Pog.rome nach russischem Ritus werden sollte. Die englische Schutzmachr wird natürlich einschreiten und alsbald die „Ruhe" (wie z. B. in Irland und Aegypten) wiederherstellen, und sie wird dabei nur eins bedauern, nämlich, daß sie nur eine Handvoll Juden, etwa 90 000 Seelen in Palästina hat, die sie gegen die Araber beschützen und — ausspielen kann. Es wäre viel schöner, wenn es ihrer schon jetzt zehnmal so viele wären! Die Ansiedlung von Juden als Landwirte war ursprünglich den Ärabern sowie der türkischen Regierung sehr willkommen.- Erst der politischeZionismus der Herz! und Nordau mit seinem lärmenden Kongreßgetöfe weckte den Argwohn der türkischen Machthaber und des inzwischen erstarkten arabischen Nationalismus. Jetzt schien einen Augenblick „ewige Feindschaft" zwischen Türkentum und Arabertum entstanden zu sein. In diesen Spalt, der sich in der islamitischen Welt austat, schlüpfte flink, von Balsour geschoben, der politische Zionismus. Der Emir F aisul schloß einen Bündnisvertrag mit vr. Ruppin. Es gehörte nun die ganze Naivität der zionistischen „Welipolitter" dazu, überzeugt zu sein, die Feindschaft zwischen Türken und Arabern würde dauernderen Bestand haben, als z. B. die Bündnistreue Rumäniens. Gewiß empfanden die Araber das Joch der Türken, deren Padischah zugleich Kalif war, drückend, sie konnten sogar mit den Giaurs eine Strecke lang Hand in Hand gehen, wenn sich ihnen die Aussicht eröfsnete, ein von den Türken unabhängiges arabisches Reich in Vorderasien zu gründen. Aber der Welt der Ungläubigen gegenüber fühlt sich die ganze mohammedanische Welt als Einheit. Die 80 Millionen Gläubigen des Propheten in Indien nahmen eine drohende Stellung ein, als man Ernst damit machen wollte, den Sultan aus Stambul zu vertreiben, und Lloyd George gab der indischen Deputation zwar eine sehr stolze Antwort, die das Prestige Englands vor der Welt vollauf wahrte; aber die Deputation konnte die beruhigende Gewißheit mit nach Indien nehmen, daß an den Säulen des Islams nicht gerüttelt werden wird. Der arabische Nationalismus vereint sich mit seinem früheren Feind, dem türkischen Nationalismus, um sich gegen die Herrschsucht des Abendlandes zu wenden. Türken und Araber sind nunmehr die besten Freunde. Der König des Hedschas ist im Einverständnis mit dem Sultan der Türkei, dem Khedive von Aegypten, den Führern des Panturanismus Muftapha Kema! und Enver Pascha. Der be-