Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-05-01
- Page
- 165 (sequence 3)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 165 Während des Krieges war für die Inden in Rußland und in Rumänien der Gebrauch des „Jiddischen" mit Lebensgefahr verbunden. Sonst aber erscheinen ja in jedem Lande Europas, z. B. in Polen, Bücher und Zeitungen in allen möglichen Sprachen: deutsch, französisch, hebräisch, jiddisch, russisch, litauisch, ohne daß es der Fürsprache des amerikanisch-jüdischen Kongresses bedurft hätte. Es besteht auch nirgends ein Gesetz, welches das Bekenntnis zu irgendeiner Sprache (any language test) erfordern würde. Was ist also das Wesen des „Rechtes", für welches der Kongreß sich hier zugunsten der Juden einsetzt? Sollte aber das Recht gemeint sein, daß die Juden sich in der'Schule und vor Gericht „ihrer Sprache" bedienen dürfen sollen, so hätte es dem Kongreß obgelegen, zuerst zu bestimmen, welches die Sprache der Juden ist. Hebräisch oder „Jiddisch"? Zwei Parteien bekämpfen sich in diesem Punkte aufs schärfste. Die Poale-Zionisten lehnen das Hebräisch schroff ab; die Hebraisten das Jiddische. Sollte der Kongreß davon keine Ahnung haben? In einigen Städten Polens und der Ukraine sind von seiten einiger Eigenbrötler Volks- und Mittelschulen mit hebräischer Vortragssprache eröffnet worden. Da aber im'Hebräischen die technischen Ausdrücke für die exakten Wissenschaften und der Mathematik zu 99 Prozent vorläufig noch fehlen, so können die Schüler und die Lehrer weder ordentlich Hebräisch noch die Lehrgegenstände. Von seiten der Poale-Zionisten werden diese Schulen mit grimmigem Hohn überschüttet, als „Brutstätten bourgeoisen Hochmutes", die in diesen schweren Zeiten teures Geld verschwenden, um die Kinder einer dünnen zahlungsfähigen Schicht noch mehr von der großen Volksmasse abzusondern, die doch weder die Muße, noch die Mittel hat, ihren Kindern den Luxus einer im praktischen Leben unverwendbaren „aristokratischen" Literatursprache zu gewähren. In diesem einen Punkte muß man den Poale-Zionisten durchaus recht geben. Wenn die Schule, was die Amerikaner am besten wissen, für das wirkliche Leben vorbereiten soll, so wird ein Schüler, der z. B. Physik oder Chemie durchaus auf Hebräisch gelernt _ f}ßt — wenn dies überhaupt möglich wäre —, im höheren Studium und im praktischen Leben ganz umlernen müssen, oder er wird beiseite stehen. Seine Wissenschaft mitsamt dem Hebräischen wird alsbald verduften und er wird am Ende merken, daß er seine beste Zeit und Kraft einer Schrulle geopfert hat. Aber während es für das Judentum und seine Zukunft nicht das mindeste bedeutet, ob die jüdischen Schüler Physik und Chemie in hebräischer oder in einer anderen Sprache lernen, ist eZ, von großer Wichtigkeit, daß die jüdische Jugend sich mit der Bibel und den Gebeten nt der Ursprache vertraut macht. Bibel und Gebete in hebräischer Sprache gehörten nun seit jeher in Polen zum jüdischen Religionsunterricht in der Volksschule, und niemandem siel es ein, das anzufechten. Das hätte geheißen, die den Jud,en verbürgte Religionsfreiheit antasten, sich eines Aktes religiöser Unduldsamkeit schuldig machen, rechtswidrig in die inneren Angelegenheiten'des jüdischen Bekenntnisses eingreifen. Erst Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!