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Im deutschen Reich · 1920-05-01 · Heft 5 (Mai 1920) · p. 162

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 5 (Mai 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-05-01
Page
162 (sequence 6)
Language
German
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162 Im deutschen Reich ger Agitatoren, sondern Schriften von Männern, denen man den Ernst, der Ueberzeugnng nicht absprechen kann —, die getränkt sind mit Antisemitismus. All das redet eine furchtbare Sprache. ■ Wie ernst aber diese Dinge liegen, das beweisen uns die neuesten Auslassungen des Grafen Reventlow, dessen geistige Bedeutung für die Grundlage des Antisemitismus nicht verkannt werden darf. Er sagt in der Abendausgabeder „Deutschen Tageszeitung" vom 19. April unter der Ueberschrift „Der geistige Kampf gegen die jüdische Herrschaft", daß der Deutsche, wenn, er die auf der Grundlage seines eigenen Wesens entwickelte Kultur weiter entwickeln will, einen Kulturkampf gegen das Judentum führen müsse. Dieser geistige Kampf müsse geführt werden, sonst führe auch der politische Kampf nicht zum Ziel. Armes deutsches Volk, wenn du dich von diesen Lehren eines Grafen Reventlow betören läßt! Um einer falschen Idee, um der Stimme von Agitatoren, die doch nur ein politisches Interesse haben, zu folgen, sollst du dich der, Mitarbeit derer deiner Volksgenossen entäußern, die nun schon seit mehr als einem Jahrhundert alle Wege, die dornigen wie die ebenen, mit dir gegangen sind. Ohne Stolz und ohne Ueberhebung glauben wir sagen zu dürfen, daß die geistige Kultur, die sich in Deutschland entwickelt hat und um die uns heute in der Tat auch unsere Gegner beneiden, sich nicht zu einer solchen Höhe entwickelt hätte, wenn nicht große Juden, wahre Vaterlandsfreunde, echte Deutsche, an ihr mitgearbeitet hatten. Es gibt auch in den Reihen der. Gesinnungsgenossen des Grafen Reventlow Männer, die die furchtbare Gefahr, die hier dem deutschen Volke bereitet wird, nicht mitverantworten wollen. Als jetzt 'einige bekannte Persönlichkeiten der Deutschnationalen Volkspartei den Austritt aus ihr vollzogen, da schrieb ein Blatt, das ihnen bislang sehr nahestand. daß ihnen die Betonung des Deutschvölkischen ein Aergernis und ein Greuel gewesen ist. Was das heißt, brauchen wir nicht -weiter auszuführen. Bislang sind diese Absagen an eine Politik, die, obwohl sie unter der Flagge des Deutschtums getrieben wird, ein Verbrechen an ihr ist, nur vereinzelt geblieben. Wir wissen nicht, ob weiters folgen werden. Aber wenn man schon auf dieser Seite die Gefahr erkennt, dann darf man wohl erwarten, daß man auf unserer Seite keine Sekunde länger zögert, sie voll und ganz zu erfassen und Stellung zu ihr zu nehmen. Noch einmal: die Entscheidungsstunde steht bevor. Der Wahltag wird über das innere, das geistige Schicksal des deutschen Volkes entscheiden. Er entscheidet aber auch über das Schicksal der deutschen Juden. Heute noch haben wir unser

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