Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-05-01
- Page
- 161 (sequence 5)
- Language
- German
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161 Zeitschau eine Jugend' zur Verfügung, die gewillt ist, mit ihrer ganzen Begeisterungsfähigkeit sich für sie einzufetzen. Und diese Jugend besteht nicht etwa aus ungebildeten, beschäftigungslosen und daher unzufriedenen Menschen, sondern,sie besteht aus denen, die wir bisher als die Blüte unserer Jugend bezeichneten, sie besteht vor allem aus der akademischen Jugend. Wenn eine Jugend vorhanden ist, die so restlos durchsetzt ist mit dem Gifte des Judenhasses, daun kann wirklich nur ein gänzlich Verblendeter die Dinge auf die leichte Achsel nehmen. Und haben wir uns eigentlich schon einmal vor Augen geführt, wie weit schon die Verseuchung unseres G e i st e s l e b e n s mit diesem Judenhaß gediehen ist? Es ist doch heute wirklich bereits so weit gekommen, daß man es vergessen, hat, Kunst und Wissenschaft vorurteilsfrei um ihrer selbst willen zu würdigen, sondern beide werden in ihren Trägern und in ihren Leistungen nur durch die Brille des Antisemitismus gesehen. Unter dem Vorwände, daß man für die Pflege der deutschvölkischen Kultur einzutreten habe, wird all das, was der deutschen Kultur durch Juden gegeben wird — mag es noch so groß und noch so gewaltig sein — in Grund und Boden verdammt. Jedes neue literarische Werk, das von einem Juden verfaßt oder von einem Juden auf dem Theater in Szene gesetzt oder gespielt wird, wird um dieser Beteiligung des Juden willen zum mindesten insoweit als erledigt bezeichnst. Ein jüdischer Professor Einstein stellt eine Theorie auf, von der die Kenner sagen, daß sie Gedanken, die man durch die Jahrhunderte vertreten hat, umgestoßen und daß sie die Anschauung vom Weltsystem auf eine neue Grundlage gestellt habe. Ich weiß es nicht, ob diese Auffassung richtig ist, aber ich weiß eines: daß diese Theorie zum mindesten wert ist, daß man sich sachlich mit ihr befaßt. Was aber tun die, die die Pflege der deutschlvölkischen Kultur auf ihre Fahne geschrieben haben? Sie fallen wie eine Meute gieriger Hunde über diesen Mann her. Seine Lehre ist ihnen Nebensache, seine Person die. Hauptsache, und sie erfreuen sich daran, diese zu zerfleischen. Mag auch die Dummheit triumphieren, wenn sie auf deutschvölkischer Basis beruht, so ist sie höchste Klugheit. Jüdische Dozenten hatten schon immer eine nicht gerade beneidenswerte Stellung an den deutschen Universitäten, obwohl unsere Gegner behaupten, daß diese Hochschulen von Juden beherrscht seien. Jetzt sucht man auch sie, die bislang der Früchte einer ordentlichen Professur sich nicht erfreuen durften, selbst von dem dornenvollen Pfad, den man ihnen offen ließ, auszuschalten,'und man bemüht sich, ihnen die Tätigkeit, wenn nicht unmöglich zu machen, so doch sehr zu erschweren. In stets steigender Zahl werden Schrif- - ten auf den Büchermarkt geworfen — nicht Schriften blutdürsti-