Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-05-01
- Page
- 160 (sequence 4)
- Language
- German
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160 Im deutschen Reich wenig spürt von dem, was gegen die Gemeinschaft am Werke ist, glaubt er, daß diese Bewegung nicht die Bedeutung habe, die hier behauptet wird. Es ist eine Kurzsichtigkeit, die bei vielen vorhanden ist, und die, wenn sie nicht behoben wird, sich zu einer furchtbaren Torheit auswachsen kann. Es gibt immer noch Juden, die glauben, daß, weil sie selbst unberührt bleiben von dieser^ Welle des Antisemitismus, diese Welle nur ein von einem linden Winde bewegtes Wässerchen ist. Sie sehen nicht, daß eine große zischerrde, brandende Woge im Anzuge ist, die über den einzelnen hinweg die Gesamtheit mitspülen wird. Manchmal wenden allerdings unsere-Gegner Mittelchen an, ■ die selbst den Kenner der Dinge glauben machen müssen, es handle sich um eine nicht ernst zu nehmende Bewegung. Wenn z. B. die Redaktion der „Deutschen Zeitung" mit ernster Miene die Behauptung vorträgt, daß Erzberger, Weiler ein Dunkel über seine Herkunft lagern läßt, wahrscheinlich Herzberger heiße, und- Gott sei es geklagt — von einem jüdischen Papa abstamme, oder wenn gar behauptet wird, man sei im republikanischen Berlin jetzt schon dem herrschenden Judentum soweit entgegengekommen, daß man die um 4 Uhr beginnende Erstaufführung der Straußfchen Oper „Die Frau ohne Schatten" deshalb auf den Sonntag lege, weil der jüdische Kritiker am Samstag um diese Zeit noch nicht ins Theater gehen dürfe, so könnte man allerdings annehmen, daß die Bewegung heute in der Hauptsache von Witzblättern gemacht werde. Aber das ist ja auch nur die „Deutsche Zeitung", die solche Geistesblüten in die Welt setzt! In ihrer wahren Gestalt Zeigen sich die Dinge leider gan', anders. Sollen wir noch einmal daran erinnern, wie in den Tagen des Kapp-Putsches die antisemitische Agitation Hand in Hand mit der Umsturzbewegung ging. Sollen wir daran erinnern, wie außerordentlich erregt die Stimmung gewisser Kreise in jenen Tagen gewesen ist. Was wir bei unserem letzten Bericht noch nicht, genau wußten, was wir aber ahnten, das steht heute fest. In jenen Tagen hat ein erheblicher Teil der deutschen Jugend Anlaß genommen, seine antisemitische Gesinnung recht nach Herzenslust zu betätigen. Die Berichte, die uns aus den Universitätsstädten zugegangen sind, beweisen, wie eminent tüchtig nach dieser Hinsicht die jungen Herrschaften in jenen Tagen gewesen sind. Da die wohlweisen Universitätsbehörden dem Taten- ' drang der Hörer keine Beschränkung auferlegen wollten und die Pforten der Hörsäle schlossen, so hatte man reichlich Gelegenheit, seine Judenseindschast zu bekunden. Was wir so oft schon än dieser Stelle gesagt habem, müssen wir heute, wo es uns darauf Lnkommt, den Ernst der Stunde recht eindringlich zu schildern, wiederum mit aller Schärfe feststellen. Es steht unseren Gegnern