Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 4 (April 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-04-01
- Page
- 139 (sequence 4)
- Language
- German
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Zelts chau 1S9 bie Verhältnisse oder gegen das Militär gesprochen hat, dann wurden gleich in der Darstellung selbst derer, die es nicht gerade feindlich Mit uns meinten, Hunderte aus dem einen. Und schließlich wurde jeder, der das Treiben der augenblicklichen Machthaber kritisierte — mag er auch noch so germanischen Ursprungs gewesen sein —, als Jude angesehen. So kam es, daß selbst Menschen, die bislang jede judenfeindliche Gesinnung und Betätigung uns das entschiedenste abgelehnt hatten, in ihrer Ansicht schwankend wurden und unseren Gegnern ein geneigtes Ohr liehen. Erregung auf der einen Seite erzeugt natürlich auch Erregung auf der anderen Seite/ Die maßlosen Verhetzungen, das ostentative Anmalen des Hakenkreuzes, mußten zur Folge haben, daß auch die Stimmung der Juden einen Siedepunkt erreichte. In Tagen wie den verflossenen, ist es schwer, das objektive Urteil zu bewahren; es ist schwer, sachlich zu bleiben. Für die Minorität liegen ja die Verhältnisse besonders schwierig. Auf sie konzentriert sich der ganze Strom der Erregung; sie selbst muß möglichst ruhig bleiben, um nicht als Opfer in den Hexenkessel der Leidenschaften hineingezerrt zu werden. Wer kann es dem Juden verargen, daß in diesen Tagen manches Wort von seinen Lippen gefallen ist, daß er in ruhigen Tagen zweifellos nicht gesagt hätte! Das politische Trauerspiel scheint seinem Schluß sich.zu nähern. Die Wogen der Erregung scheinen sich zu glätten. Ob diese Vernrutung richtig ist, können.wir selbstverständlich mit absolnter Sicherheit heute noch nicht sagen; aber wir hoffen, daß nun wieder Rrche und, Ordnung einkehren werden. Das Trauerspiel, das da heißt: „Kampf den Juden", scheint aber leider noch weit von seinem Ende entfernt zu fern. Noch konnte der erste Verband von der Wunde, die dem deutschen Volke geschlagen wurde, nicht abgenommew werden, und schon sind wieder Hetzer am Werke, die verkünden wollen, daß alle S ch and l i ch k ei t en , die begangen worden sind, aus das S ch u l d k o n t o d er Juden zu schreibe n s i n d. Schon verbreiten wieder die Hetzer, daß die Juden es sind, die danach trachten, das Volk nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Heute scheißt es, daß sie den Generalstreik bezahlen und dem Bolschewismus Vorschub leisten. Wie lange wird es dauern, bis behauptet wird, daß auch Kapp und Lüttwitz im Solde der Juden gestanden haben! Einer späteren Betrachtung muß es Vorbehalten bleiben, zu zeigen, wie die antisemitische Hetze dieser Tage weiter fortwirkt. Es wird dann auch zu untersuchen sein, wieweit die