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Im deutschen Reich · 1920-04-01 · Heft 4 (April 1920) · p. 138

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 4 (April 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-04-01
Page
138 (sequence 3)
Language
German
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138 Im deutschen Reich Schatten stellte. Das H a k 2 nkre it z, dieses neue Sinnbild Ler antisemitischen Gesinnung, wurde zum Abzeichen der Regierungstruppen. An allen Straßenecken -wurde in ekelhaftester und wütendster Weise gegen die Juden gehetzt. Daß es nicht in größerem Umfange zu Tätlichkeiten gekommen ist, lag ausschließlich -an der Besonnenheit eines großen Teiles der Bevölkerung, dem gegenüber unsere, Aufklärungsbemühungen in den vergangenen Monaten nicht vergebens gewesen sind. Als alles nicht fruchtete, wurde jene hübsche Bekanntmachung veröffentlicht, in der im Anschluß an die Todesandrohung für Raub und Mord das bereits zu M a z z 0 s verbackene Mehl f r e i - gegeben und den Arbeitern z u r V e r f ü g un g g e st e l l t w u r d e! Wir haben Grund zu der Annahme, daß wohl nicht ein einziger Arbeiter -auf diesen plumpen Schwindel, der bei anderer Situation zu den gefährlichsten Exzessen hatte: führen können, hereingesallen ist. Alsdann die Herren Kapp und Lüttwitz sich von den Staatsgeschäften zurückziehen mußten, blieb als letzte Zuckung ihrer Lebensbetätigung die antisemitische Hetze übrig. Auch dann noch, als sie und ihre Anhänger längst den Schau- Hatz ihrer „ruhmreichen" Tätigkeit verlassen hatten, jagten ständig Militärautos durch die Stadt, die Stinksalven von antisemitischen Flugblättern hinter sich ließen. Die Einzelheiten der antisemitischen Agitation in diesen Tagen sindan anderer Stelle dargestellt. Hier sei folgendes bemerkt:'Wir sagten eben, daß durchs die Besonnenheit -weiter Bevölkerungskreise antisemitische Exzesse verhindert worden sind. Die Arbeiterschaft und ein nicht unerheblicher Teil des intellektuellen Bürgertums hat in richtiger Kenntnis der Dinge auf den antisemitischen Köder nicht angebissen. Aber man darf sich anderseits darüber keiner Täuschung hingeben, daß dennoch die judenfeindliche Gesinnung sich-ries in die Herzen weiter Bevölkerungsschichten eingefressen hat und Anschauungen zutage fördert, die geradezu ungeheuerlich erscheinen. Es ist in diesen Tagen keine Gemeinheit wider die Juden gepredigt worden, die nicht geglaubt worden ist. Selbst wenn gekaufte oder hysterische Frauen mit kreischender Stimme verkündeten, daß die Juden nichts weiter tun als nichtjüdische Frauen vergewaltigen und schänden, fanden sie gläubige Zuhörer. Sachliche Unterhaltungen haben ergeben, daß die primitivsten Kenntnisse von allem, was Juden und Judentum angeht, bei denen, die sich Urteile erlauben, nicht vorhanden sind. „I u d e n s e h e r e i" und Verallgemeinerung waren an der Tagesordnung. Wenn einmal elinJude, der vielleicht auch besser geschwiegen hätte, auf derStraße ein lautes Wort gegen

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