Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 4 (April 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-04-01
- Page
- 137 (sequence 2)
- Language
- German
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Zeitschau 137 in der Reichshauptstadt sich ereignet haben, unterrichtet, und nur spärlich gehen uns die Nachrichten aus dem Reiche zu. Aber das Wenige, was wir hören, genügt, um uns ein Bild zu Machen von dem Elend, in das wir von neuem hineingeschleudert worden sind. Was ist geschehen? Eine Handvoll Menschen, über deren Charakter und Befähigung wir uns kein Urteil erlauben wollen, hat, gestützt auf eine geschickt überredete Truppenmacht, über Nacht die Regierungsorgane des Reiches und Preußens verjagt und sich die Herrschergewalt angemaßt. Noch niemals hat in der Geschichte ein gewaltsamer Umsturz Erfolge erzielt, wenn er nicht herausgeboren war aus den Empfindungen der überwiegenden Masse des Volkes. Und selbst dann — das haben die großen Revolutionen der vergangenen Jahrhunderte gezeigt — bedarf es erst langer, langer Zeit, bis die Wunden, die dieser Einschnitt hervorgerufen hat, vernarbt sind. Niemals aber haben sich Menschen so über die Empfindungen des Volkes getauscht, wie die, die heute den Umschwung in die Wege leiten wollten. Nachdem der erste Rausch, der dieses Mal knapp 48 Stunden gedauert hat, verflogen war, haben selbst dies die politisch den neuen Machthabern am nächsten standen, sich öffentlich zu erklären befleißigt, daß sie das Vorgehen des Herrn Kapp und seiner Helfershelfer mißbilligten. In volltönenden Worten .wurden dem Volke panis et eircenses versprochen; aber selbst diese Lockmittel, die sonst so selten versagen, verfehlten diesmal ihre Wirkung. Das Volk war klug genug, um zu erkennen, daß es Errettung aus der Not nicht aus der Hand dieser Machthaber empfangen könnte, sondern daß nur innere Ruhe und eigene Arbeit den Weg zur Gesundung führen würden. Aber auch abgesehen von dieser Täuschung über die Stimmung der Massen des Volkes, ist kein Umsturz so kurzsichtig vorbereitet gewesen, wie dieser. Nach allem, was man erfahren hat, müssen die Leiter der Bewegung mit einer politischen Unreife gearbeitet haben, die ihresgleichen vergebens sucht. Daß der gewaltsame Eingriff in einem Augenblick, in dem der Weg des Volkes aufwärts zu führen begann, ein furchtbares Verbrechen ist, ist selbstverständlich und braucht nicht von uns hier festgestellt zu werden. Die Herren Kapp und Gefolge dächten offenbar, daß sie zum Erfolge nur des Mittels bedürften, das stets einen starken Eindruck auf die Masten zu machen pflegte. Hand in Hand mit dieser Putschbewegung ging nämlich eine antisemitische Hetze, die alles VorangLgangene nach dieser Richtung in den