Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 4 (April 1920)
- Article
- Gegenrevolution!
- Date
- 1920-04-01
- Page
- 132 (sequence 3)
- Language
- German
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132 Im deutschen Reich t i k u mtruppen ist überjedesMaß hinausantisemitisch gewühlt worden. Der junge „Verb an d national gesinnterSoldaten"inBerlin-Charlottenburg mit streng antisemitischen Satzungen und streng antisemitischer Zeitschrift hat sich gerade in den Reichswehrverbänden seine wenig anmutigen Sporen verdient. Was das Beklagenswerteste aber ist: Diese Hetze wurde von verschiedenen und nicht wenigen Offizieren, ja sogar von Dienststellen herzlich und kräftig gefördert, obwohl nach einem Erlasse des Reichswehr- und Kriegsministers jede politische Betätigung im Heere verboten war. Wir verlangen als Staatsbürger, die ihre vaterländische Pflicht stets getreulich erfüllten, nachdrücklich, daß nunmehr diesen antisemitischen Treibereien unter dem Militär — wie oft haben wir darauf hingewiesen! — mit einer ganz andern Energie begegnet wird als bisher. Gleichgültigkeit und Kurzsichtigkeit nahmen sie vor dem 13. März stets aus eine gefährlich leichte Schulter. Auch sonst ließ sich leider das Militär als Schildträger für die dunklen antisemitischen Pläne mißbrauchen. Am 15. und 16. März verteilten wiederholt Militärkraftwagen in den verschiedensten Stadtgegenden Flugblätter des Ausschusses für Volksaufklärung (Diktatur des Proletariats?, An unsere heimkehrenden Brüder!, Deutsche Männer, Stammesgenosten! usw.). Einzelne Soldaten schwangen vom Wagenverdeck aufreizende Reden. Einen größeren Auflauf sah die Mitternacht vom 18. zum 19. März in Charlottenburg an der Ecke der Kant- und Joachimsthaler Straße. Hier lauschten eine Anzahl entlassener Angehöriger der Lüttwitzschen Truppen zusainmen mit Herren in Zivil, die sich als frühere Offiziere der Mackensen-Armee zu erkennen gaben, dabei noch eine erklecklichere Menge dunkler Existenzen den antisemitischen Hetzreden eines den Kunze- Knüppel schwingenden, mit Knüppel-Kunze nach seiner Angabe befreundeten bekannten Charlottenburger Antisemiten. Er forderte „Rache an Juda". „Setzt sie sofort in die Tat um!" Schon versuchte er die Aufgepeitschten in Stoßtrupps einzuteilen, als rechtzeitig alarmiertes Mjlitär die Straße freimachte. Die bis jetzt aus dem Reiche eingegangenen Berichte erweisen, daß auch hier zuweilen das Militär willig den antisemitischen Karren zog. So wird aus Breslau gemeldet, daß an verschiedenen Stellen der Stadt antisemitische Klebezettel von Soldaten angebracht worden sind, ja sogar, daß die Anbringung durch einen zweiten Soldaten mit Gewehr oder durch Offiziere überwacht wurde. Leute, die dagegen protestierten oder die Zettel zu beseitigen suchten, wurden gröblich mißhandelt und verhaftet. So wurden zwei mutige, dem Kartell-