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Im deutschen Reich · 1920-04-01 · Heft 4 (April 1920) · p. 133

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 4 (April 1920)
Article
Gegenrevolution!
Date
1920-04-01
Page
133 (sequence 4)
Language
German
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Gegenrevolution 138 Convent jüdischer Studenten (K. C.) angehörende Hochschüler bei einem solchen Versuche furchtbar zugerichtet und in einen dunklen Keller gesperrt. Man beachte hierbei ausdrücklich, daß es sich nicht um Entfernung von Anschlägen der Kappschen Regierung, sondern um Beseitigung antisemitischer Plakate handelte. Und nun die Straßenredner! Dutzendweise traten sie aus! Wie wurde von den Bezahlten und' Unbezahlten über die armen Juden hergezogen! Da sprach einer über die jüdischen Betrüger und Schieber, und flugs wurde er gefragt, ob der an t i s e m i ti s ch e Rechtsanwalt B r e d e r e ck, der soeben ein Regierungsamt bezogen hatte, die unterschlagenen Mündelgelder der Regierung schon zur Verfügung gestellt habe. — Da las ein anderer eine Liste der russischen und ungarischen Bolschewistenführer vor, die er nach der sattsam bekannten Weise, Lenin gleich Lewin, alle zu Juden stempelte, und schnell wurde er gefragt, ob Ka p p wirklich früher Kaplan geheißen habe und aus Russisch-Polen stamme und ob L ü t t w i tz wirklich der Enkel des Pferdehändlers Mordechai Lippschütz aus Mogilno wäre. Mit besonderer Genugtuung ist zu verbuchen, daß des öfteren auch christliche Mitbürger den Herren Antisemiten aus eigenem Antriebe wacker die Stange hielten. Ueberhaupt darf nach unfern umfassenden Beobachtungen festgestellt werden, daß die antisemitischen Straßenredner im großen und ganzen dank der Einsicht, insbesondere der werktätigen Bevölkerung, kein richtiges Gehör fanden. Daß sie in den westlichen Vororten, vor allem in Friedenau, in willigeren Boden ihre Saaten streuten, wundert den Kenner des politischen Groß-Berlins nicht weiter. Nicht uninteressant ist die von zwei Zeugen belegte Feststellung, daß am 17. März einer der antisemitischen Straßendemosthene nach Aufhören seiner „Schicht" sich in die Charlottenburger Geschäftsräume der deutschnationalen Volkspartei begab. Wer die Erlasse der Kappschen Regierungsstunden prüft, wird nicht finden, daß sie irgendwie den antisemitischen Pferdefuß herausstecken. Am 16. März vormittags aber erfuhren wir, daß man folgende Bekanntmachung sofort der Oeffentlichkeit zu übergeben plante: „Das Mehl, das die alte Reglern n g f ü r d i e I u d e n z u O st e r n r e s e r v i e r t h a t t e, ist beschlagnahmt und wird an die Arbeiter verteilt." Was mußte eine solche amtliche Verfügung hier wie im ganzen Reiche in diesen Stnrmesstunden auslösen? Fiel sie auf vorbereiteten Boden, so gab sie das Signal zu Ausschreitungen, deren Gefährlichkeit und Umfang unabsehbar waren. Die Gefahr wurde dadurch bedeutend,

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