Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 4 (April 1920)
- Article
- Gegenrevolution!
- Date
- 1920-04-01
- Page
- 131 (sequence 2)
- Language
- German
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GeILnrevolution 131 drückte dis „arischsten" Deutschen nur die Sorge: Wie peitschen wir die erregten Massen gegen die Juden auf? Und so verteilte am Vormittag des 13. März Herr I. Pelzer, der Vorsitzende unseres „alten, lieben" Ausschusses für Volksaufklärung auf denr Potsdamer Platz ganze Stöße seiner Flugblätter, darunter den jüngsten seiner vornehmen Sprößlinge: „Wie lange noch soll die Rassenschande dauern?" „Ich höre," so beginnt der antisemitische Oberbefehlshaber darin, „daß es als gemeine Rede durch der Leute Mund geht, , vom Weibe nehme der Jude den Tribut der Blüte und lasse dem deutschen Manne die Ruine. Und ich wollte es nicht glauben, daß also deutsche Jungfrauen ihrer Ehre vergäßen, sich mit dem Auswurf der Menschheit zu vermischen." . . . . „Es ist Zeit zur Säuberung Eures Hauses, es ist die höchste Zeit! Hinaus mit dem schleichenden Gewürm (d. s. die Juden) aus der deutschen Heimstätte. . . ." „Wollt Ihr, ohne lächerlich zu werden, noch Hochhalten das herrliche Kulturelement: die Achtung des Weibes, so schützt das Weib vor der Berührung mit dem Gesindel (d. s. die Juden), auf dessen Lumpenfahne die Verachtung des Weibes geschrieben steht. . . Jedes Wort der Entgegnung solch widerwärtigem Machwerke gegenüber wäre zu schade! Daß die darin ausgesprochene Aufforderung zur Gewalttat nur der Ausdruck liebevoller Gesinnung für die Juden ist, wird der Ausschuß sicherlich alsbald in der „Deutschen Ztg.", mutig wie stets, erklären. Unsere Antisemiten erfreuten sich aber auch militärischer Unterstützung. Aus einem mit Soldaten der neuen Regierung gefüllten Kraftwagen wurden schon am Sonnabend, den 13.. nachmittags. Unter den Linden Hunderte der bunten Handzettel des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes geworfen, und in der gleichen Gegend wurden in den Abendstunden des Sonnabends-einige friedliche Straßengänger ob ihres jüdischen Aussehens angerempelt und geschlagen, wozu — o, ihr Rassenfanatiker! — auch einige christliche Mitbürger gehörten. Ernstere Beachtung verdiente die auffällige Tatsache, daß ganze Abteilungen von Soldaten, insbesondere der Marinebrigade Ehrhardt, das in deutschvölkischen Kreisen neuerdings so beliebte Hakenkreuz am Helme, ja sogar an Geschützen und Panzerwagen führten, daß sogar jetzt noch Teile der verfassungstreuen Regierungstruppen es weiter leuchten lassen. Es wäre verfehlt, nun in jedem dieser Hakenkreuzträger einen grimmen Judenfresser zu vermuten. Der Nachahmungstrieb spielt, gerade beim Militär eine besondere Rolle. Das eine aber ist sicher: Unter der Reichswehr und vor allem unter den Bal-