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Im deutschen Reich · 1920-03-01 · Heft 3 (März 1920) · p. 125

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 3 (März 1920)
Article
Die antisemitische Tendenz des Verlages J. Lehmann
Date
1920-03-01
Page
125 (sequence 2)
Language
German
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Vermischtes 125 Recht von niemandem verwehrt werden. ' Aber er muß uns einmal sagen, wer denn zu seinen deutschen Stammesbrüdern gehört. Rechnet er etwa den Adel oder die deutschen Fürstenhäuser, deren Mitglieder ihr Blut so oft mit dem Blute fremder Stämme vermischt haben, auch noch zum deutschen Stamm? Der Kreis derer, die in Wahrheit darauf Anspruch erheben können, deutschstämmig genannt zu werden, dürfte unendlich klein im Laufe der Jahrhunderte geworden sein., Denn gerade dem Deutschen wird es nachgesagt, daß er niemals Bedenken getragen hat, sich mit fremdem Blut zu vermischen. Aber nicht aus das Blut, das in unfern Adern fließt, kommt es an. Nicht die Blutprobe ist das Ausschlaggebende, sondern die Gesinnung und der Wiüe. Wir deutschen Juden haben, wenigstens in unserer überwältigenden Mehrheit, den Willen zum deutschen Volke, und wir lassen uns unsere deutsche Gesinnung weder durch Herrn Lehmann, noch durch seine Gesinnungsgenossen aösprechen. Behauptungen, wie die, daß der Talmud und der Schulchan Aruch Lehren enthalten, die den Gesinnungen widersprechen, die Herr Lehmann von uns als „Gastvolt" verlar gen Zu müssen glaubt, sind billig. Wir möchten es bezweifeln, daß Herr Lehmann jemals einen'Blick in diese Bücher getan hat. Hat doch kürzlich erst der Hauptherold der Llntisemiten im Kampfe gegen Talmud und^ Schulchan Aruch, der tüchtige Herr Br. Dinker, erklären müssen, daß er selbst kein Wort Hebräisch verstehe. Wenn unsere Gegner solche Geistes- und Gesinnungshelden an der Spitze haben, dann können wir ebenso ruhig schlafen, wie Herr Lehmann geschlafen hat, als man ihm Mitteilung gemacht hat, daß er auf der Liste der zu Ermordenden steht. Wir wissen ebensoLenig wie Herr Lehmann, wer diese Liste aufgestellt hat. Sie irgendwie mit dem Judentum in Verbindung bringen, kann nur ein solch fanatischer Antisemitismus, wie er aus Herrn Lehmann spricht. Wir' haben mit derartigew Gesellen nichts zu tun. Wir haben das oft genug erklärt/ Das Tischtuch brauchen wir deshalb nicht zwischen uns und ihnen zu zerschneiden, da wir noch niemals an einem gemeinsamen Tisch gesessen haben. Vielleicht aber dürfen wir an Herrn Lehmann die Frage richten, wann er zwischen sich und „seinen deutschen Stammesbrüdern" das Tischtuch zu zerschneiden gedenkt, deren 'viehische Roheit, anläßlich der Münchener Tage, die durch die verschiedenen Prozesse aufgerollt ist, die ganze Welt mit Schauder und Entsetzen erfüllt hat? An andere Taten, die von Leuten ausgegangen sind, die Herrn Lehmann vielleicht noch näher stehen, wollen wir lieber nicht erinnern. r p y ü&isityftHei äifred i Berger gegründet 190! Berlin W57, Potsdamer Strasse*64. Geschäfts' und PfM- (Meinls») Auskünfte. H©@ta ISmpfels&iwgesiL. I I I3 i s

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