Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 3 (März 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-03-01
- Page
- 118 (sequence 6)
- Language
- German
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118 r<m deutschen Reich unter dem Protektorat der freisinnigen und fortschrittlichen Demokratien des Westens. Und da erzählt uns Sir Stuart Samuel, es sei evident, daß ein erfolgreicher polnischer Staat ohne die Hilfe der Juden gar nicht restauriert werden könne! Es ist bedauerlich, daß der englische Protektor der polnischen Juden die Abschiedsartikel nicht lesen konnte, mit denen ihm die polnische Presse das Geleite gab. Da hieß es: „Wozu brauchen wir uns noch die Köpfe zu Zerbrechen, wer der künftige Herrscher und was die künftige Staatsform von Polen sein soll? Wir haben ja schon einen Herrscher,.einen nach dem anderen, zuerst war es M o rgenLhau, dann war es Stuart S a m u e l, die uns kontrollierten oder sich in unsere inneren Angelegenheiten hineinmengten und uns, offen oder versteckt, allerlei Vorschriften zu machen versuchten. Wir sind eine judäische Kolonie unter englischem Protektorat wie vordem unter dem Protektorat der Okkupationsmächte und noch früher unter dem Protektorat Rußlands. Wenn den Juden etwas bei uns mißfällt, brauchen sie sich gar nicht an uns mit ihren Vorstellungen zu wenden, sie wenden sich an England oder an Amerika, wie sie sich vordem an B e s e l e r und C! e i n o w und noch früher an den Generalgouverneur Gur ko zu wenden pflegten. Wir sind nicht Herren in unserem Hause und werden es nicht sein, solange die Juden mit ihren internationalen Verbindungen in unserem Lande einen so breiten Raum einnehmen werden." Bor seiner Abreise hatte Sir Stuart Samuel eine Unterredung mit dem (damaligen) Ministerpräsidenten Paderewski, dem Hauptanstifter der Pogrome und Protektor des Boykotts. Dieser ersuchte Sir Samuel, der Fürsprecher Polens bei der englischen Regierung zu sein, auf daß sie sich für ihren Schützling mehr interessiere; wenn sich die allgemeine Lage in Polen gebessert hat, werde sich auch die Lage der Juden bessern. Samuel versicherte, er werde sich alle Mühe geben, zu bewirken, daß England allen seiner: Pflichten Polen gegenüber voll Nachkomme. Obgleich die Lage der Juden sich in der letzten Zeit verbessert habe, so sei das noch kein Verdienst der Re-> gierung, und die Lage lasse noch viel zu wünschen übrig. Er hoffe, daß die Angelegenheit der Sonntagsruhe und der Konzessionierung von jüdischen Lebensmittelhändlern eine günstige Erledigung finden würde. Zum Schluß wünschte er Paderewski ein langes Verbleiben an der Spitze der Regierung. Dieser Wunsch hat sich bekanntlich nicht erfüllt. Paderewski mußte kurz darauf feine Würde niederlegen; aber in bezug auf die Juden blieb der Kurs derselbe. Wie schön die Hoffnung des Sir Samuel, die Sonntagsruhe betreffend, in Erfüllung gegangen ist, haben wir gesehen. Dem jüdischen Kleinhandel werden Konzessionen in steigendem Maße entzogen — mit einer besonderen Boshaftigkeit und eigenem Nachdruck seit der Abreise des englischen Protektors, als wollten die Polen dadurch betonen, daß sie justament Herren im eigenen Hause sind, und sich Don keinem was dreinreden lassen wollen, auch nicht von dem großen Protektor an der Themse, dessen schützender Arm immer drückender empfunden wird, so daß das Volksbewußtsein sich immer heftiger