Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 3 (März 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-03-01
- Page
- 115 (sequence 3)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 115 wirtschaftliche MKerauflebung ihres Landes nur mit Hilfe der ausländischen undinländischen jüdischen Faktoren zustande kommen könne. Sie haben in Amerika, mit Hilfe der dortigen Polen und Irländer,'eine Anleihe von 10 Milliarden Mark.ausgenommen, und das ist erst der Anfang. Dagegen haben die amerikanischen Juden seit Kriegsausbruch bis Mitte Juni 1919 an Hilfsgeldern für die Glaubensgenossen aller vom Kriege heimgesuchten Länder Europas und Asiens insgesamt 22 Millionen Dollar geschickt, wovon auf Polen nur ein kleiner Teil entfiel. Der Lemberger Pogrom vom 22. November 1918 (der ohne bk Zertrümmerung Oesterreichs durch Wilson gar nicht denkbar gewesen wäre) verursachte allein einen statistisch faßbaren Materialschaden von über 103 Millionen Kronen, beträchtlich mehr, als die Gesamtsumme' der von den amerikanischen Judest gespendeten Unterstützungsgelder. Die amerikanischen Juden rüsten sich seit einem Jahre zu dem Plan, für den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Juden in Osteuropa die Summe von zehn Millionen Dollar zu sammeln. Wie nichtig ist das im Vergleich mit der polnischen Anleihe in Amerika! — Wie ein förmlicher Hohn aber klingt es, wenn Sir Samuel versichert, „es sei evident, daß ein erfolgreicher polnischer Staat ohne die Hilfe der Juden gar nicht restauriert werden kann". Sir -Samuel scheint die ganze Zeit seiner Anwesenheit in Polen verschlafen zu haben. Sonst hätte er wohl etwas davon merken müssen, daß die Polen unter Führung des Sejms und der Regierung, namentlich des neuen Finanzministers Wladislaw G r a b s k i, mit unnachsichtlicher Konsequenz darangehen, die Juden aus dem Lande hin auszuboykottieren und das Programm der mit England zusammenarbeitenden Nationaldemokratie zu verwirklichen, welches lauter: „Wir wollen ein judenreines Polen!" Die Organisationen zwecks wirtschaftlicher Erdrosselung der Juden sind an dieser Stelle bereits geschildert worden. Jetzt wurde die Klinke der Gesetzgebung in Bewegung gesetzt. Während der Anwesenheit Sir Stuart Samuels ist im Sejms das Gesetz über die Sonntagsruhe durchgebracht und am 19. Februar in Kraft gesetzt worden. Im Grunde hat der Sejms, der eine verfassunggebende Versammlung ist, sich nicht mit derlei Spezialgefetzen zu befassen. Man hat aber diesmal den Juden zuliebe eine. Ausnahme gemacht. In keinem Staate der Welt wird den Juden in gleichem Maße die Heilig- Haltung des Sonntags von Gesetzes wegen auferlegt, wie im neuen Polen. Das Rabbinat und die jüdischen Gemeindeveriretungen dürfen an diesem Tage nicht amtieren, jüdische Schulen, die ausschließlich von j ü d i s ch e n K in d er n b e s u ch t w e r d en, in ix {f en am@onr.tag g e s ch lo s s e n b l e ib en. Es versteht sich, daß kein jüdischer Handwerker, Ladenbesitzer oder Kaufmann am Sonntag seinem Geschäft, nachgehen darf. Alle Juden werden an diesem Tage zum Müßiggang gezwungen. Nur sich zu besaufen, Prügeleien zu veranstalten ist gestattet, wie sie in der mittleren und unteren Klasse der christlichen Bevölkerung just am Sonntag mit Vorliebe abgehalten zu werden pflegen. Noch eins ist an diesem