Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 3 (März 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-03-01
- Page
- 114 (sequence 2)
- Language
- German
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114 Im deutschen Reich alleinige gesetzmäßige Vertretung der gesamten Mischen Nation fühlen, ausschließlich berufen, das Wohl der Juden und die strikte Durchführung der sie betreffenden Bestimmungen des Friedensver- Lrages zu ^erwachen.) Wir erfahren also, daß Sir Stuart sehr feierlich begrüßt wurde, daß man ihm herzlich für' seine schweren Mühen und seine erfolgreiche Tätigkeit dankte. Zahlreiche Redner ergriffen das Wort. Der eine entwickelte das Programm der nächsten jüdischen Aufgaben: volle Emanzipation der Juden - in allen Ländern, Wiederaufbau, Kolonisation Palästinas. Der andere schilderte seine Eindrücke aus — Wien, besprach dann die Politik der Verleumdungen, „daß die Nationaljuden Feinde der Polen wären"; man erwarte, daß Sir Samuel nach seinen gründlichen Untersuchungen diesen Verleumdungen entgegentreten werde. Ein dritter verwies auf die Dringlichkeit der Kämpfe gegen den Antisemitismus; es sei mit Bedauern zu konstatieren, daß die englische Presse angefangen habe, an die antisemitischen Legenden zu glauben. Ein weiterer Redner erklärte, welche wichtige Phase gerade jetzt im Rechtsleben der polnischen Juden eingetreten sei, was wir erreicht haben, nämlich die Minoritätsklauseln im polnischen Traktat, sei vorläufig noch auf dem Papier. Wieder ein anderer verwies auf die Fülle der Einzelfälle, durch welche der polnische Friedensvertrag bereits verletzt worden sei; um so dringender sei die zukünftige Ausgestaltung der gesamtjüdischen Organisationen. Ein Redner betonte die Bedeutung der Juden im gesamten Wirtschastsapparat der Welt. Ein Russe hob die Notwendigkeit internationaler Aktionen im Leben der Juden hervor. „Es gebe für die Nichtintervention der Juden in Angelegenheiten fremder Staaten gewisse Grenzen. Heute gelte es nicht mehr, die Pogrome festzunageln, sondern ihnen zuvorzukommen. Gleichzeitig mit dem Kampf gegen Gewalt, gegen Legendenbildung und Antisemitismus, gleichzeitig mit dem Kampf für die bürgerlichen Rechte müsse auch der Kampf für die nationalen Rechte ausgefochten und zu Ende geführt werden . . ~ Was aber sagte Sir Stuart Samuel? Das Ergebnis seiner „gründlichen Untersuchungen" war' folgendes: Das Judentum Polens müsse noch einen schweren Kampf durchmachen, um volle rechtliche Anerkennung sowohl als Bürger, wie auch als Volkstum zu erlangen. Andererseits sei es aber evident, daß ein erfolgreicher polnischer Staat ohne die Hilfe der Juden gar nicht restauriert werden kann. Die Ueberzeugung aber, daß insbesondere die wirtschaftliche Wiederauflebung Polens nur mit Hilfe der ausländischen und inländischen jüdischen Faktoren zustande kommen kann, müsse schließlich, trotz aller Konflikte und Reibungen, auch die Polen im neuen Staats zur Einsicht bringen, wie dringend ein gedeihliches Zusammenleben für beide Völker sei. Was aber Sir Stuart Samuel über Pogrome und Boykott, zu deren Erforschung er nach Polen gekommen war, festgestellt, was er, der Abgesandte des mächtigen Beschützers an der Themse, Positives für die.polnischen Juden erwirkt hat, ~ darüber schwieg er sich vollkommen aus. Leider teilen die Polen keineswegs die Ueberzeugung,. daß die