Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 3 (März 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-03-01
- Page
- 111 (sequence 5)
- Language
- German
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Zeitschau 111 litten hat, als es als Bekenntnis einer Minorität im alten Römerreiche austrat. Die Entstehungsursachen und die Begründung des Antisemitismus sind auch zu allen Zeiten verschieden gewesen. Erft ein Produkt unserer neuzeitlichen „hohen Kulturauffassung" ist der R a s s en a n t i s e miti s m n s, gegen den wir uns jetzt vornehmlich zu wenden haben. Das Mittelalter und die neuere Geschichte bis zum Jahre 1870 kennt diese Form des Judenhasses nur in einzelnen Aeußerungen weniger Persönlichkeiten. Dem Auskommen des völkischen Nationalismus ist es Vorbehalten geblieben, uns dieses Geschenk zu machen. Daß man die Juden stets als schlechte und minderwertige Rasse bekämest, scheint unfern Gegnern allerdings nicht immer erforderlich zu sein. Wenn man aus taktischen Gründen ihnen gegenüber ein etwas freundlicheres Gesicht — das Lächeln erscheint wie eine Grimasse — zeigen will, so behauptet man, daß man nicht die Rasse schlechtweg bekämpft, sondern nur die V o r h e r r s ch a s t, die diese Rasse auszuüben sich anmaßt. Herr RevenÜow, den wir ja wiederholt Gelegenheit hatten, hier „lobend" zu erwähnen, und von dem anerkannt werden muß, daß er mit feinem Spürsinn stets zur rechten Zeit die rechten Wege des Antisemitismus ausfindig Macht, hat jetzt diesen neuen Satz geprägt: niemand unter den nationalen Parteien darf ein Gegner, der semitischen Raste als solcher sein, sondern man hat nur in eine Abwehrstellung gegen sie wegen ihrer beanspruchten Vorherrschaft einzutreten. („Deutsche Tageszeitung", Morgermusgabe vom 2. Februar 1920.) Es gilt nämlich, die Arbeiterschaft für den Antisemitismus zu gewinnen, um so einen Keil in die sozialistischen Parteien hineinzutreiben. Die von uns veranstaltete große Kundgebung „A r b e i t e r s ch a f t u n d A u t i s e m i t i s m u s" hat Herrn Reventlow und seinen Trabanten gezeigt, daß bis heute die Arbeiterschaft noch recht wenig geneigt ist, für sie die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Das Märchen vom Rastenhaß allein zündet nicht, es muß eben ein etwas schmackhafteres' Gepräge gegeben werden, und deshalb muß die sogenannte jüdische Vorherrschaft herhalten, die infolge der durch sie entstandenen völkischen Zersetzung das Elend unseres Volkes heraufbeschworen habe. Wir sind davon überzeugt, daß unsere Arbeiterschaft soviel gesunden Menschenverstand hat, um diesen etwas kompli- zierten Gedankengängen des Herrn Reventlow nicht zu folgen. Ebensowenig wird sie Sympathie empfinden können für Hern: Verlagsdirektor Wulle von der „D e u t s ch e n Z e i t u n g", der, gekräftigt durch die Ruhe, die ihm ein achttägiges Verbot seines Organs auserlegt hat, in frischer Arbeitsfreude über die