Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 3 (März 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-03-01
- Page
- 109 (sequence 3)
- Language
- German
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Kertschau 109 ruhig ertragen können. Wer hie Tatkraft dieser Herren läßt es nicht dabei bewenden. Wie'sehr dieser Unfug in den Herzen der Jugend zum Symbol ihrer Ideen geworden ist, das beweisen die Vorgänge, die sich kürzlich an' der Ka'rlsruher Technischem Hochschule abgespielt haben. Sin Gelehrter, ehemals Jude, dann aber aus unserer Gemeinschaft ausgeschieden, sollte eine Professur erhalten. Sogleich tritt der Studentenausschuß auf den Plan und wendet sich mit aller Schärfe gegen die Berufung dieses Herrn, weil er Semit seil Die deutsche Wissenschaft vertrage im gegenwärtigen Augenblick nicht, durch einen Nichtdeutschen gelehrt zu werden. (Sie vertragt es. aber -wohl, durch „Nichtdeutsche" zu höchsten Erfolge:: geführt zu Verden!) Glücklicherweise haben Rektor und Senat Rückgrat genug, um diesem Verlangen der Jugend mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Die Angelegenheit wird durch einen freiwilligen Verzicht des Berufenen auf die Professur erledigt. Das Symptomatische dieses Ereignisses aber kann durchdiese Form der Erledigung nicht aus der Welt geschafft werden. Wir wissen nicht, ob sich die Masse der deutschen Juden über das Ungeheuerliche dieses Vorganges im klaren ist. Heute noch protestiert eine kleine Schar verblendeter Studenten im Interesse der Erstarkung der nationalen Idee gegen die Besetzung eines Universitätsamtcs durch einen Inden;, wer weiß, ob nicht bald der Tag kommt, an dem eine an .Macht reichere Gesamtheit einen ähnlichen Protest erheben und ihm auch den notigen Nachdruck verschaffen kann. Von anderen Hochschulen wird uns gemeldet, daß die Studentenschaft die ZulassungderJuden alsHörer nur zu einem. Proz en ts atz , der dem Anteil der Juden an der allgemeinen Bevölkerungszisfer entspricht, begehrt. Sollen wir da die Anfänge einer neuen Entrechtung erblicken? Sollen wir wieder einmal Kämpfe um die primitivsten Grundsätze des Menschenrechtes führen müssen und gar in einer Zeit, in der die Unverletzlichkeit' aller Menschenrechte am häufigsten und am lautesten proklamiert wird? Wir können nicht glauben, daß der sittliche Kern des deutschen Volkes so sehr durch den Krieg inrd feine Folgeerscheinungen in Mitleidenschaft gezogen wird, daß ein solcher Wandel sich vollziehen kann. Wir aber müssen den Kampf aufnehmen und wir müssen den Kampf richten sowohl gegen die, die die Jugend in solcher Weise aufhetzcn, wie auch gegen die Jugend selbst, die sich einer solchen Verhetzung gefügig erweist. Es gibt kein Paktieren und keinen Kompromiß mit einem Gegner, der solchen Kampf führt und solche Mittel in Anwendung bringt. Wir haben unseren Kampf auf breitester Front zu führen