Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- Aufklärungsarbeit in öffentlichen Versammlungen
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 83 (sequence 3)
- Language
- German
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Aufklärungsarbeit in öffentlichen Versammlungen 83 Ina Iben Leistungen der christlichen Konfessionen vollkommen entsprechen. Sodann räumt der Vortragende mit dem Märchen von der angeblichen Verjudungder Presse auf, indem er — wiederum an Hand konkreter Tatsachen — nachweist, eine wie verschwindend kleine Anzahl von jüdischen Mitarbeitern gerade die von Judengegnern am meisten verschrienen Zeitungen, das „Berliner Tageblatt" und die „Frankfurter Zeitung", aufweisen, welchen Anfeindungen diese „jüdischen Blätter" gerade von weiten Kreisen des Judentums ausgesetzt sind. Zum Schluß nahm der Redner für das deutsche Judentum unbe -. dingt die deutsche Gesinnung in Anspruch, erklärte, daß deutsche ^Juden mit ganzem Herzen an ihrem deutschen Vaterlands hängen und sich der Mitarbeit am inneren' Wiederaufbau Deutschlands nicht entziehen werden. Und wenn das deutsche Volk das Wort beherzigen werde: „Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten", dann werden nicht nur die Juden in Deutschland, sondern auch die Deutschen in der Welt gerecht beurteilt werden. Dieser wirkungsvollen, mit starkem Beifall aufgenommenen Rede folgte die Aussprache, in der die Redner fast sämtlicher Parteien den Antisemitismus in entschiedenster Form ablehnten. Erwähnenswert sind die Ausführungen des Pastors Br. Pfannkuche, der den Standpunkt der deutschnationalen Volks Partei vertrat, den Radau- und P o a r o m an tis e m iti s mu s ab lehnt, aber gegen die Vorherrschaft des Judentums in Politik und Presse Stellung nimmt. „Wenn die Juden," meint Dr. Pfannkuche, „von dem internationalen Geiste des „Berliner Tageblattes" abrücken, dann wird auch die Beurteilung der Judenfrage in der Öffentlichkeit eine ganz andere werden." Wenn diese Forderung — so meinen wir — den Gipfelpunkt des in auffallender Weise zusammengeschrumpften antisemitischen Programms bedeutet, daun könnte Dr. Pfannkuche sehr bald geholfen werden, allerdings unter der Voraussetzung, daß Dr. Pfannkuche und seine Partei den ehrlichen Willen haben, auch hierin den objektiven Tatbestand prüfen zu wollen, denn das Judentum hat nichts mit JnternationalismuA zu tun. In ähnlichem Sinne, vielfach von neuen Gesichtspunkten ausgehend, und mit gleich vollem Erfolg sprach Br. Alexander, stellvertretender Syndikus des Centralvereins, in einer außerordentlich stark besuchten öffentlichen Versammlung in Nordhausen über „Die Juden im neuen Deutschland". Das mit langanhaltendem Beifall anfgenommene Referat sowie die über dasselbe anschließende Anssprache waren, wie die dortige „Nordhauser Zeitung" freimütig zugibt, geeignet, „einen kräftigen Schlag gegen die Niedrigkeit des Antisemitismus" zu führen. Das Ergebnis solcher, in öffentlicher Versammlung erfolgten Auseinandersetzung bestärkt uns in der Annahme, daß sie nicht nur auf Nichtjuden aufklärend und beruhigend wirke, sondern gerade Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!