Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- Aufklärungsarbeit in öffentlichen Versammlungen
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 84 (sequence 4)
- Language
- German
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84 Im deutschen Reich auch auf die Juden, die oft in Unkenntnis der wahren Ursachen und Verhältnisse den klaren Zusammenhang antisemitischer Erscheinungen nicht erfassen und deshalb rat- und hilflos diesen Anfeindungen gegenüberstehen. . Eine Veranstaltung ähnlicher Kundgebungen in möglichst vielen Orten wäre dringend zu wünschen. Dr. Harnick. „Pfarrharrskornödie." An anderer Stelle dieser Nummer haben wir bereits darauf hingewiesen, daß antisemitische Blätter anläßlich der Aufführung der Lautensackschen „Pfarrhauskomödie" in einem Berliner Theater dieses Schauspiel den Juden in die Schuhe zu schieben versuchen. Mit diesem Beginnen sind sie gründlich hereingefallen/da der Verfasser gar kein Jude ist. Es läge infolgedessen für uns gar keine Veranlassung vor, uns mit diesem Werk, über dessen künstlerische Dualität wir uns nicht zu unterhalten haben, zu befassen, wenn nicht doch durch gewisse Besprechungen und Erörterungen, die die Tendenz dieses Werkes im Gefolge hat, der Unterton hindurchklingt, daß die ganze Atmosphäre, aus der heraus die Dichtung entstehen konnte, mit jüdischem Einfluß stark durchsetzt sei. Demgegenüber müssen wir mit allem Ernst feststellen, daß wir Juden die Art und Weise, wie hier Einrichtungen der katholischen Kirche in den Staub gezerrt werden, auf das entschiedenste ablehnen. Wir können die Empfindungen, die die Bekenner der katholischen Kirche bei dem Anhören oder bei der Lektüre dieses Schauspieles beseelen, durchaus verstehen. Wie auch wir jede Verhöhnung unserer Religionseinrichtungen als eine Verletzung unserer tiefsten seelischen Art ansehen, so müssen wir in gleicher Weise dagegen Front machen, wenn man gegen Gebräuche anderer Religionsgemeinschaften zu Felde zieht. Die Heiligkeit von Religionseinrichtungen muß von jedem geschützt werden, gleichviel, ob er der angegriffenen Religionsgemeinschaft oder einer anderen angehört. Es ist bezeichnend für den Kulturstand der augenblicklichen Periode, daß man mit Vorliebe in solcher Weise Religionseinrichtungen profaniert. Selbst vor der Entwürdigung im Kino schreckt man nicht zurück. Ein Kinoschauspiel „Die Puppe", das kirchliche Einrichtungen in herabsetzenden, lächerlich machenden Bildern vorführt, kann ebenfalls von uns nur auf das stärkste verurteilt werden. Daß die große Mehrzahl der deutschen Juden in unserer Ablehnung derartiger „Tendenzstücke" einig ist, geht auch aus dem Leitartikel des weitverbreiteten Hamburger „Israelitischen Familienblattes" Nr. 4 vom 22. Januar hervor, in dem in gleicher Weise, wie wir es tun, gegen die „Pfarrhauskomödie" entschieden Stellung genommen wird. K. A.