Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- Aufklärungsarbeit in öffentlichen Versammlungen
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 82 (sequence 2)
- Language
- German
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Der Redner trat jeglichen Beschuldigungen und Anwürfen, die gegen die Juden erhoben wurden, entgegen und führte sie an Hand reichhaltigen statistischen Materials und mit Zuhilfenahme seiner eigenen vielseitigen Erfahrungen auf das zurück, als was sie in Wirklichkeit anzusehen sind: als bewußte oder unbewußte Entstellungen, vielfache Uebertreibungen oder auch als aus der allgemeinen Menschennatur hervor gegangene, durch sie bedingte Erscheinungen. Der Vortragende führte etwa folgendes aus: Vorurteilen seien zu gewissen Zeiten auch Minoritäten christlicher Konfession ausgesetzt gewesen. Diesen liege auch ein psychologisches Moment zugrunde," wie man aus den Gegensätzen zwischen Preußen und Bayern, aus der vorgefaßten Meinung gegen Berlin leicht ersehen könne. Solchen verallgemeinernden Vorurteilen verdanke auch die Abneigung gegen die Juden ihre Entstehung. Das BibelworL vom „a u s g e wähl Len Bol k", dem in der Schrift nirgends Rechte, sondern nur Pflichten auferlegt werden, werde ebenso mißbraucht, wie das Wort vom „d eutschen Wesen", das von den Feinden böswilligerweise in dem Sinne ausgelegt werde, als ob Deutschland seine Macht und seinen Willen auf alle Völker übertragen wolle. Da reines Germanentum nur in einzelnen Landesteilen vorzusinden, im übrigen aber im Osten mit Slawen, im Südwesten mit Französlingen vermischt sei, könne man auch nicht vorwurssweise vom „jüdischen Einschlag" sprechen, der auch jüngst dem deutschen Kaiser nachzuweisen versucht wird, um ihm die Schuld an der Wesensentwicklung des Monarchen zuzuschreiben. Für Volksgemeinschaft sei wesentlich maßgebend die Mitarbeit ZM Vaterlands auf der Grundlage deutscher Kultur, Geburt und Sprache, und deshalb können ungezählte jüdische Familien, die auf dieser Grundlage seit Jahrhunderten in Deutschland gelebt, m i t Unrecht als etwas Fremdes bezeichnet werden. Dem Bolschewismus^ ständen 69 v. H. des deutschen Judentums ablehnend gegenüber. Zu den Vorwürfen des jüdischen Kapitalismus bemerkte der Redner, daß im Handel gewiß ein erheblicher Teil jüdischen Kapitals stecke, in der 'Landwirtschaft dagegen sei das jüdische Kapital nur ganz gering und auch von den großen Werken der Schwerindustrie sei nur ein geringer Teil in jüdischem Besitz. Die ungerechte Behandlung der Juden vor dem Kriege — kein Jude konnte Richter oder Offizier werden, keiner in eine Regierungsstelle gelangen — hat es bewirkt, daß viele Kreise des Judentums, in das linke Lager gedrängt, in der Revolutionszeit durch eine erhebliche Zahl in der Regierung vertreten waren. Aber auch hier die starke Uebertreibung, denn nicht um 80, sondern um kaum 20 Prozent Juden handle es sich, die ja übrigens nicht von jüdischen Volkskreisen, sondern von ihren Parteikreisen durch den Willen und das Vertrauen von Millionen deutscher Bürger gewählt wurden. Auf Grund statistischer Tatsachen stellt der Redner fest: 100 000 Juden waren Kriegsteilnehmer, über 2000 wurden zu Offizieren befördert, 10 000 wurden mit dem E. K. II., 1000 mit dem E. K? I. ausgezeichnet, etwa 16 666 sind gefallen; Zahlen, die prozen-