Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- Der "Allgemeine Deutsche Burschenbund" und die Juden
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 80 (sequence 5)
- Language
- German
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so Jur deutschen Reich aus ehrlicher Ueberzeugung und aus angestammtem oder in jungen Jahren anerzogenem Vorurteil, viele aber auch,- leider allzuviele, um das Volk von sich abzulenken, um der großen Masse einen Sündenbock hinzustellen, auf den sie blindwütig einhauen sollte, damit sie nicht den eigentlichen Kern des Zusammenbruchs des Vaterlandes erkenne. Leider ist und war unsere akademische Jugend hierin tonangebend von verantwortungslosen und in ihrer Ahnungslosigkeit auch unverantwortlichen Lehrern geführt. Leider hat sie sich von Schlag- Worten leiten lassen, hat unbewiesene, unbeweisbare, paradoxe Schlagworte ausgenommen und weiterverbreitet und so dem deutschen Vaterland die harte Lagerstatt bereiten helfen, .auf der es jetzt ruhü. Die Juden waren die Prügeljungen, die Sündenböcke — genau wie im finstersten Mittelalter, als die Juden die Brunnen vergifteten und so dem deutschen Volke die Pest und den schwarzen Tod brachten. In nichts unterscheidet sich, die blindwütige Judenhetze mehr von den mittelalterlichen Verfolgungen — nur läßt sich das „Volk" nicht mehr dazu mißbrauchen — die Intelligenz muß es selber machen. So ist, so war die Stimmung, als auch die A. D. B.er wieder heimwärts zogen> als sie in die Hörsäle strömten, um die solange unterbrochenen Studien wieder aufzünehmen. Trotz des Bundesverbots, das es den/ Burschenschaften als solchen untersagt, in xolieitis zu machen, vielleicht sogar ihm zum Trotz, stellte eine Münchener Burschenschaft sich offen als antisemitisch hin. Vorher hatte der Bundestag, dem Drängen der antisemitischen Mehrheit nachgebend, den Toleranzparagraphen und den Freizügigkeitsparagraphengestrichen. Es blieb einer jeden Burschenschaft überlassen, ob sie Juden nehmen wolle oder nicht. Das war, praktisch, schon Judenreinheit! Aber es war nicht genug. Man wollte auch nach außen als Antisemit auftreten. Eine ganz kleine Gruppe, vornehmlich Wohl Münchener, setzten mit intensiver Maulwurfsarbeit ein. Da erschien in einem Münchener Radäublatt von einem ganz jungen Bundesmitglied ein Artikel über den Bund, der diesen in der unerhörtesten Weise angriff, der die Bundesgeschichte fälschte und den Bund verleumdete. Dieser Artikel war nicht, wie damals das „Eingesandt" im Stöckerschen „Volk", anonym, der Verfasser nannte sich und — setzte sogar den Namen seiner Burschenschaft hinter den seinen. Das Unerhörte war geschehen: der Bund von einem eigenen Mitglied kompromittiert, angegriffen, verleumdet, besudelt. Auch überzeugten Antisemiten im Bunde ging dies an die Nieren — der Ruf nach dem allgemeinen, außerordentlichen Bundestag wurde laut, aus dem Abrechnung gehalten werden sollte. Die Abrechnung kam — aber nicht nur für den Verleumder, sondern auch — für die Juden. Der Bund nahm den eingangs erwähnten Beschluß an — er war antisemitisch geworden! Damit ist der ehemals so tolerante, früher als „Judenblase" verschriene A. D. B. in die Reihen der ausgesprochenen antisemitischen Studentenverbände eingetreten. Er hät so die „alte" Burschen-