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Im deutschen Reich · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. 79

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Article
Der "Allgemeine Deutsche Burschenbund" und die Juden
Date
1920-02-01
Page
79 (sequence 4)
Language
German
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Der „Allgemeine Deutsche Burschenbund" und die Juden 79 tauchte der „Nützlichkeitsgrundsatz" wieder auf: mit Rücksicht aus die derzeitige antisemitische Stimmung der Studentenschaft von der Aufnahme der Juden abzusehen. Bei dieser Besprechung zeigte es sich, daß der Bund eine Anzahl von Burschenschaften zählte, die stets „judenrein" gewesen waren, und die mehr oder weniger verhüllt das Bestreben verrieten, es auch in Zukunft zu -bleiben. Nach heftiger Diskussion schlief die Sache ein. Aber sie war nur scheintot. Eine neue Frage tauchte zunächst auf, die an den Grundpfeilern des Bundes rüttelte: die Stellung des Bundes zur- Sozialdemokratie. Dem Sehenden wurde es offenbar, daß die gleichen Kreise, die den Utilitätsantisemitismus predigten, auch die Sozialdemokraten als Bundesangehörige bekämpften — der reaktionäre Pferdefuß, das Befangensein in einer einseitig parteipolitischen Doktrin kam zum Vorschein. Auch dieser Sturm ging vorüber. Energisch, wie der Bund bisher die Antisemiten abgeschüttelt hatte, gab er auch eine Absage an die 'Sozialistentöter: der Bund hat mit Parteipolitik nichts zu tim. Aeußerlich war die Einheit wieder hergestellt, doch nur aus kurze Zeit. Bereits im nächsten Jahre trat die Burschenschaft, die im Kampfe gegen die Sozialdemokratie geführt hatte, mit ihrer Tochterburschenschaft aus — aus antisemitischen Gründen. Sie kam einem bereits gestellten Ausschlußantrage zuvor. Sie verhinderte aber auch damit, daß der Bund nun auch nach außen hin reinen Tisch machte, daß er sich endgültig entschied, ob er antisemitisch oder nicht antisemitisch in Zukunft sein wollte. Dies hat sich für die Folgezeit bitter gerächt. Nicht am Bunde selbst: nach außen hin blühte er weiter und nahm von Jahr zu Jahr zu, wohl aber im Interesse reinlicher Scheidung. Unter der so beliebten Flagge der „Nützlichkeitsrücksichten" bildete, soweit es sich beurteilen läßt, sich anscheinend ein antisemitischer Ring, der nicht zu sprengen war, weil er dem Bund keine äußere Handhabe bot. Dieses geheime Kartell belegte sofort fast jede neu eintretende Burschenschaft mit Beschlag — die alte Richtung wurde allmählich, dank der Expansion des Bundes, in die Minderheit gedrängt. 1914 — der Bund hatte jetzt die Zahl von 30 Burschenschaften erreicht — schien die Entscheidung zu nahen. Abermals wich man ' ihr aus. Man bekannte sich noch nicht offen zum Antisemitismus. Aber die Bundestagsverhandlungen zeigten, daß jetzt gine antisemitische Mehrheit vorhanden war, die den Bund umstellen konnte, sobald sie es für nötig hielt ... Der Krieg gab dem Bund so, wie er einst war, den Rest. Die zahlreich vorhandenen, nicht mehr unbedingt satzungstreuen, meist jüngeren Elemente gerieten, wie es nicht zu verwundern war, in reaktionäres Fahrwasser. Das Bestreben, die Juden für den Krieg, für seine lange Dauer, für seinen unglücklichen Ausgang und endlich für den Zusammenbruch, des Reiches verantwortlich zu machen, wurzelt in den Kreisen der Akademiker. Ein Judenhaß im Volk existiert nicht. Die oberen Schichten sind die Träger davon — viele

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