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Im deutschen Reich · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. 78

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Article
Der "Allgemeine Deutsche Burschenbund" und die Juden
Date
1920-02-01
Page
78 (sequence 3)
Language
German
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Im deutschen Reich 78" Aeußerlich zeigte das sich darin, -daß ganze Burschenschaften im Laufe der Zeit absplitterten und entweder zur „alten" Richtung übergingen oder als „freie" bald sich auslösten. Zuerst trat die Leipziger „Tuisconia" aus. Dann wurde 1885, auf dem II. Wartburgtage der Antrag eingebracht, nur noch „Studierende deutscher Abstammung" aufzunehmen. Er wurde einstimmig abgelehnt. 1887 endlich wurde in den nun endgültig geschaffenen Bundessatzungen eindeutig festgestellt, daß der Bund unter einem deutschen Studenten jeden studierenden deutschen Reichsangehörigen verstehe. . - Drei Jahre später kam ein neuer Sturm. Stöckers Zeitung, „Das Volk", veröffentlichte eine anonyme Zuschrift eines alten Herren der Tübinger „Teutonia", in welcher festgestellt wurde, welche Burschenschaften verjudet und welche judenrein seien, und die die Hoffnung aussprach, daß der Bund sich bald von den Fremdstämmigen befreien möchte. Innerhalb des Bundes löste dieser vergiftete Pfeil eine ungeheure Entrüstung aus, und der Bundestag hieß die von der damaligen Vorsitzenden „Arminia-Gießen" eingebrachten, ausführlich begründeten Anträge, wenn auch nicht dem Wortlaut, so doch wenigstens dem Sinne nach, gut, die einen Antisemitismus der Burschenschaften aufs schärfste verurteilten. — Wieder vergingen einige Jahre der Ruhe. Dann aber tauchte der Antrag aus, aus Nützlichkeitsrücksichten, d. h. um das Ansehen des Bundes bei den anderen Verbänden zu heben, fernerhin keine Juden mehr aufzunehmcn. Der Antrag wurde einmütig abgelehnt — gegen die Stimme der den Antrag stellenden Burschenschaft. 1897 drohte dieser Burschenschaft, weil sie, obwohl der Bund sie nicht, wie sie es beantragt hafte, von der Aufnahme jüdischer Mitglieder befreit hatte, trotzdem sich dem Bundestagsbeschluß nicht gefügt hatte, der Ausschluß. Man einigte sich aber doch dahin, von diesem letzten Mittel keinen Gebrauch zu machen, sondern nur noch einmal sestzustellen, daß der A. D. B. nicht gesonnen sei, von seinen Grundsätzen abzugehen. Weitere drei Jahre später hatte der Bund, was die Zahl der Burschenschaften anlangt, seinen Tiefstand erreicht: nur drei Burschenschaften und vier Altherren-Verbände bildeten den Bund. Der bereits ein halbes Jahr früher gestellte Antrag aus Auflösung des Bundes kam wieder: Die Entscheidung stand auf des Messers Schneide. Aber es siegte der Optimismus, das Vertrauen in die Zu- . kunft. Der Antrag fiel. — Das Jahr 1900 brachte dann den langsamen, aber sicheren Aufschwung. Die Zahl der Burschenschaften wuchs. Alljährlich wurden eine oder mehrere Burschenschaften ausgenommen, so daß 1907 der Bund bereits 20 Burschenschaften zählte. Die Krise war endlich überwunden! Nicht aber so der Antisemitismus. Allerdings wagte er sich nicht offen hervor. Erst 1905 wurde die Frage im Bunde wieder eingehend besprochen, im Anschluß an den Austritt einer Berliner Burschenschaft, die offen erklärt hatte, daß sie der Judenfrage'wegen austrete, Antisemitische Stimmen wurden nicht laut, wohl aber

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