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Im deutschen Reich · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. 74

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-02-01
Page
74 (sequence 8)
Language
German
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74 Im deutschen Reich Bedauern muß man, daß der selige Herr von Treitschke diesen Artikel nicht lesen kann. „Hab' ich's nicht immer gesagt," würde er triumphierend ausrufen. „Die Israeliten des Weskens und des Südens gehören zumeist dem spanischen Juden stamme an, der auf eine vergleichsweise stolze Geschichte zurückblickt und sich der abendländischen Weise immer ziemlich leicht eingesügt hat, während unserem deutsch-polnischen Juden stamme die Narben vielhundertjähriger christlicher Tyrannei sehr tief eingeprägt sind. Ich sagte, daß eine vielhundertjährige Knechtung bei leidlichem wirtschaftlichen Wohlbefinden den Charakter eines Volkes notwendig schwerer schädigt, als eine Geschichte voll großer Leiden und Kämpfe usw. usw. Lest nur gefälligst meine Artikel in den „Preußischen Jahrbüchern" vom 15. November und 15. Dezember 1879, die seinerzeit soviel Staub aufgewirbelt haben und dem Antisemitismus in Deutschland die wissenschaftliche und moralische Sanktion gaben, ihn salonfähig machten und ihm jene Schwungkraft verliehen, die ihm ermöglichten, in die Welt hinauszugehen und sich namentlich Osteuropa zu erobern, wo er sich nicht nur theoretisch, wie in seinem Ursprungsland, sondern praktisch in blutigen Pogromen und Massenaustreibungen ausleben konnte. Die spanischen Juden haben unter den Omejaden eine reiche Zeit literarischer Nachblüte erlebt, unsere Juden dagegen sind im wesentlichen eine Schar strebsamer hosenverkaufender Jünglinge" ... * Also würde Herr von Treitschke sprechen — und er würde sich auch diesmal, wie schon damals, gründlich irren. Alle die jüdischen Offiziere, von denen hier die Rede war, gehören nämlich dem verachteten deutschen Judenstamme an, sie sind Elsässer und Lothringer. Kapitän Halfs belehrt uns: „Abgesehen von einigen mittelgroßen sephardischen (spanischen) Gemeinden in Bordeaux, Bayonne, Marseille und Nizza, welche sich übrigens in bezug auf die nationalen Aspirationen in nichts von den anderen jüdischen Gemeinden unterscheiden, wohnt die Masse der französischen Provinzjuden in den Grenzgebieten des Nordens und des Ostens, und hat ihre Zentren in Lille, Nancy, Epinal und Belfort, im Süden in Lyon. Da mun jeder einberufene Soldat in die Einheit seines Wohnortes eingereiht wurde, ist es nicht verwunderlich, daß eine große Zahl unserer Glaubensgenossen den Elitekorps angehörte, welche, von besonders hohem Geiste beseelt, berufen waren, an äußerst gefahrvollen Aktionen teilzunehmen, wie jene berühmten Einheiten von Nancy und von Touh die man die eiserne und stählerne Division nannte." — Als die Große Revolution den Juden Gleichberechtigung verlieh, lebten solche auf französischem Boden nur in Elsaß-Lothringen — die paarversprengtensephardischen Gemeinden im Süden kamen fast gar nicht in Betracht. Aus Elsaß-Lothringen verbreiteten sie sich nach deren jetzigen Wohnsitzen, hauptsächlich nach der Hauptstadt. Alle angesehenen jüdischen Familien Frankreichs stammen aus dem Elsaß oder aus Süddeutschland. (In den letzten 50 Jahren sind viele aus Polen und Rußland zugewandert.) Ueber die Juden in Elsaß-Lothringen ergossen Herr von Treitschke und seine Jünger mit Vorliebe die Schale ihres Spottes und Hasses, bereiteten ihnen, vorausgreifend,

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