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Im deutschen Reich · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. 75

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-02-01
Page
75 (sequence 9)
Language
German
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Jüdische Rundschau 75 nacheinander eine Reihe literarischer Zabern-Affären. Das war auch eine Methode, dasHerz dieses Teiles der Einwohnerschaft der wiedergewonnenen Provinzen für das neue Vaterland zu gewinnen. Nun hat vielleicht das große Herz Treitschkes im Grabe Ruhe gefunden, da man diese gemeine Rasse wieder glücklich an Frankreich losgeworden ist ... . Allerdings gibt es in Frankreich auch noch Juden anderen Ursprungs: die von Algier, die aber erst seit 1870 das französische Bürgerrecht besitzen, und denen, obgleich sie überwiegend zum spanischen Judenstamm gehören, die Narben vielhundertjähriger, allerdings nicht christlicher, sondern mohammedanischer Tyrannei eingeprägt waren; sodann russisch-polnische Juden, die erst vor kurzem naturalisiert wurden. „Aus drei Elementen setzt sich die jüdische Familie Frankreichs zusammen," schreibt Kapitän Halfst „Im Juli 1914, einige Tage vor der Kriegserklärung, fanden die Schlußprüfungen an der Ecole Polytidmique statt, jener großen nationalen UnterrichtsansLalt, die dem Lande'die besten Ingenieure und ausgezeichnetsten Artillerieoffiziere liefert. Die drei ersten auf der Liste der erfolgreichsten Kandidaten waren Juden. Der erste, der „Major", wie er in der Studentensprache heißt, war S a s p o r t a s, ein Algerianer, der zweite, L e v y , war ein Franzose elsässischer Herkunft, der dritte, Cherechewsky, war ein naturalisierter Russe." Auch die algerischen Juden haben sich im Kriege in hervorragendem Grade ausgezeichnet, 745 von ihnen sind aus dem Schlachtfelde geblieben. Der Raum verbietet es, auf ihre Taten und Auszeichnungen näher einzugehen. Die russisch-polnischen Juden, meist Studenten, dienten als Aerzte oder Krankenpfleger. Aus der großen Fülle derer, die sich ausgezeichnet haben, mögen einige wenige her ausgegriffen werden. Da war Doktor Chatt, der Liebling seines Regimentes, das ihn zärtlich den „kleinen Russen" nannte. „Er trug in sich einen Schatz von Hingebung, die sogar unter dem heftigsten Bombardement nicht wankte, er war zweimal im Armeebefehl genannt, als einer, der in der hingebungsvollen Sorge um die Verwundeten den Beweis absoluter Todesverachtung erbrachte.. Selber verwundet bei der Ausübung seines Liebeswerkes, lehnte er es ab, sich ablösen zu lassen'." Doktor Mendel Zemach aus Radom „trotzte einem Regen von Stahl und Feuer, um seine Verwundeten zu betreuen, er war mehrere Male im Armeebefehl genannt; starb in Ausübung seines Amtes". Doktor AisikLiber war neu nm a l verwundet, ein Fuß wurde ihm amputiert; er erhielt die Kriegsmedaille; „er besorgte die Bergung der Verwundeten ohne die geringste Rücksicht auf das eigene Leben". # -X Man hat gesagt: „Jedes Land hat die Juden, die es verdient." Es wäre irreführend, immer die Länder nach ihren Juden zu beurteilen, denn manches Land hat viel bessere Juden, als es verdient. Richtiger wäre es, danach zu fragen, was ein Land aus seinen und — aus den anderen Juden zu machen versteht. . . . Yerax. *

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