Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 72 (sequence 6)
- Language
- German
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72 Im deutschen Reich erhaben?" schrieb der frühere Ministerpräsident Bar-Lhou. „Und welcher Katholik möchte diesem Rabbi nicht in dankbarer Bewunderung huldigen?" * * ■ *; Während ich die Abhandlung des Kapitän Halff las und mir Notizen machte, mußte ich unwillkürlich daran denken, daß erst vor wenigen Monaten der unglückselige General vonBernhardi in einem Artikel im roten „Tag" dem Juden die Eignung zum Offizier völlig absprach, da ihm die wichtigste Fähigkeit ermangele, nämlich: zu befehlen, sich bei den Untergebenen Autorität und Respekt zu verschaffen; auch lasse seine persönliche Tapferkeit und Kaltblütigkeit in der Gefahr sehr viel zu wünschen übrig. General von Bernhardt führte die angebliche Schwäche der österreichischungarischen Armee —die auffallenderweise nur vom Bundesgenossen, nicht vom Feind bemerkt wurde — darauf zurück, daß in ihr zahlreiche jüdische Offiziere sogar in höheren Stellungen dienten; es gab sogar einen — aber nur einen einzigen Generalmajor. Diese Offiziere haben, nach Ansicht des Generals Bernhardt, die Schlagkraft der habsburgischen Armee geschwächt, — obgleich mehrere von ihnen, die den deutschen Truppenkörpern zugeteilt waren, sich in hervorragender Weise auszeichneten. So der Major des 11. Haubitzenregiments MvritzMansch aus Lemberg, der in den ersten Kriegswochen das Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration erhielt und dem Kaiser Wilhelm vorgestellt wurde. So der Ingenieur Jakob Ornstein, Leutnant beim 13. Eisenbahnregiment, der im November 1914 das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhielt; H i n d e n - bürg ließ sich diesen tapferen österreichischen Offizier persönlich vorstellen. (Jakob Ornstein ist der Abkömmling einer der angesehensten galizischen Rabbinerfamilien.) Ist es nicht merkwürdig, daß die französische Armee durch ihre zahlreichen hohen und höchsten jüdischen Offiziere nicht geschwächt wurde? ... Ich mußte auch an zwei kleine Erlebnisse während des Krieges denken: Im Dezember 1914 traf ich im Hause eines Universitätsprofessors eine alte Dame, die Wiwe eines Generals, deren Gatte kurz vorher auf dem Felde der Ehre gefallen war. Sie sagte: „Mein Mann ist tot, aber wenn er erführe, daß jetzt Juden zu Offizieren ernannt werden, würde er noch einmal sterben.".. Und im September 1918 hörte ich, wie ein höherer Offizier in Zivil in jenem unnachahmlichen schnarrenden Ton, der schon den preußischen Leutnant schmückt, zu einer Dame sprach: „Denken Sie sich, gnädige Frau, ich führe mein Bataillon zur Attacke, und als Feind würde mir ein Herr Joffe z. B. oder was ähnliches entgegentreten. Wie soll das werden?" . . . Indessen liegt in diesen und ähnlichen Aeußerungen viel weniger Rassenals Klassenhochmut. Für den preußischen Junker sind die Juden vor allem die Roture, und zwar die von der geringsten Klasse. Er darf im Geiste nicht zugeben, daß der Jude die Eignung zum edlen Waffenhandwerk besitze, dem er, der Junker, ausschließlich seine bevorzugte Stellung verdankt, sonst verliert er sein Privilegium. Friedrich der Große, der erlauchteste unter den preußischen Junkern, ließ im Siebenjährigen Kriege eine Anzahl Bürgerlicher zum Ossi-