Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 71 (sequence 5)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 71 . betmen die hervorragendsten Resultate, indem er ausgezeichnete Informationen von 100 Metern Entfernung von den feindlichen Linien zurückbrachte. Am 5. Oktober 1918, auf der Rückkehr von einer Rekognoszierung, die vier Stunden gedauert hatte, und zwar in den schwierigsten atmosphärischen Verhältnissen, auf einer Höhe von 6000 Metern, verlor er einmal das Bewußtsein bevor er landete, mußte Anker auswerfen, wurde schwer verwundet, behielt aber das Kommando. Wurde viermal verwundet, schoß vier feindliche Flugzeuge herab. Wird wegen seiner Heldentaten zum Ritter der Ehrenlegion ernannt." ■5fr * In Frankreich sieht das Gesetz vom 5. Mai 1913, trotz der Trennung von Staat und Kirche, die Ernennung von Feldgeistlichen aller Konfessionen durch den. Kriegsminister vor. Die französische Armee hatte 34 jüdische Feldgeistliche. Außerdem dienten zwei Rabbiner, von denen einer Professor am Pariser theologischen Seminar, als gewöhnliche Soldaten. Diese beiden wurden Opfer des Krieges. Von den Feldgeistlichen starb einer an einem llebel, welches er sich im Dienste zugezogen. ’ Drei andere wurden während der Ausübung ihres Amtes von feindlichen Geschossen niedergestreckt. Von diesen waren zwei, Ruff in Verdun und der Grand-Rabbin von Lyon Abraham Bloch, infolge ihres vorgerückten Alters von der Militärpflicht befreit, hatten sich aber freiwillig zum Dienste gemeldet. Ruff wurde im Lazarett von Vadelaincourt. bei Verdun von einer feindlichen Fliegerbombe tödlich getroffen. Der Tod des.Grand- Rabbiners Bloch, eines der schönsten Beispiele menschlicher Solidarität, möge mit den Worten des katholischen Priesters Pater I a m i n, der ihm beigewohnt hatte, erzählt werden: „Am Sonnabend, den 29. August 1914, in einem Dorfe in den Vogesen, ergoß sich ein Regen feindlicher Granaten auf ein Farmerhaus, in welchem 150 Verwundete untergebracht waren. Ein Feuer brach aus, und die Sänftenträger waren gezwungen, das Haus zu evakuieren. Ein schwerverwundeter Soldat, der den Rabbi für einen katholischen Geistlichen hielt, bat ihn um ein Kruzifix, welches er küssen wollte. Ohne zu zögern und ohne der Gefahr zu achten, begann der Rabbi nach einem Kruzifix zu suchen, es gelang ihm, eins zu finden, und er reichte dem in Todesangst harrenden Soldaten das Symbol seines Glaubens. Nachdem der. Rabbi dem Sterbenden diesen Liebesdienst geleistet, faßte er eine der Sänften an und half einen Verwundten zur nächsten Ambulanz hintragen. Die Granate, welche ihm den Tod brachte, platzte einige Schritte vor der Ambulanz, in der der Verwundete soeben untergebracht worden war." Maurice Barrtzs, der vordem mit dem Antisemitismus stark kokettierte, schreibt über diesen Fall in seinem Buche „llss diverses famille's spirituelles de la France“ (1917): „Jeder Kommentar würde nur den rührenden Eindruck abschwächen, den diese Tat menschlichen Mitgefühls in mir wachruft. Die menschliche Brüderlichkeit fand hier ihren vollkommensten Ausdruck. Der greise Rabbi reicht dem sterbenden christlichen Soldaten das Symbol Christi am Kreuz: das ist ein Bild, welches nie vergessen werden möge." „Ist das nicht