Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 65 (sequence 6)
- Language
- German
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ZeiLschau 65 lich in der vom Verband der jüdischen Jugendvereine veranstalteten Aussprache zwischen Juden und Christen sehr treffend gesagt: „Jedes Land hat die Presse, die es verdient." Und er hat weiter darauf hingewiesen, daß das, war wir als jüdische Presse bezeichnen, längst Merkmal der ausländischen, vor allen Dingen der amerikanischen Presse ist, die durchaus nicht in jüdischen Händen liegt. Das Publikum will in seiner Tageszeitung nur das vorgesetzt haben, was es schnell und ohne große Anstrengung ausnehmen kann. Das haben die amerikanischen Leser, weil dort der Existenzkampf viel gewaltiger und viel aufreibender ist, schon längst gewünscht. Und nun, nachdem auch! Deutschland in den großen Weltexistenzkampf, in dem es keinen Frieden und keinen Waffenstillstand gibt, eingespannt ist, mußte nicht die Presse sich auf die veränderte Art ihrer Leser umstellen? Nicht die paar Juden haben die Presse gemacht; die wirtschaftliche Umgestaltung unseres Lebens hat unserer Presse dieses Aussehen gegeben, dessen Mangel an Geistigkeit von den tiefer empfindenden Juden ebenso verurteilt wird wie von den Nichtjuden. Und noch ein weiteres rechtfertigt unsere Annahme, daß das Gefühl des Fremdseins, das unsere Gegner zu haben glauben, nicht echt und nicht stichhaltig ist. Würde dieses Gefühl bei ihnen aus dem innersten Empfinden herauskommen, so müßte es bei allen Nichtjuden gleichmäßig vorhanden sein. In Wirklichkeit aber lehnt ein ganz erheblicher Teil der Nichtjuden es auf das. entschiedenste ab, in dem Juden einen Fremdling zu sehen. Vor allem aber müßte sich dieses Gefühl im Verkehr mit dem Einzeljuden bemerkbar machen. Immer und immer wieder machen wir jedoch die Erfahrung, daß die, die bislang in das Horn der antisemitischen Heerrufer gestoßen haben, dann plötzlich umschwenken, wenn sie Gelegenheit haben, intensiver mit dem Einzeljuden zu verkehren. Dann gerade merken sie, daß der Jude ein Mensch ist mit gleichem Empfinden, mit gleichen Anlagen wie sie selbst. Wer von uns hätte im Krieg nicht tausendfach diese Erfahrung gemacht? Wie aber kann man dann von einem Gefühl des Fremdseins reden, wenn es sich gerade im persönlichen Verkehr nicht verrät? Wir glauben deshalb recht zu haben, wenn wir feststellen, daß d?r Begriff des jüdischen Fremdlings unfern Gegnern nicht ein empfundener Begriff, sondern ein ihnen künstlich von geschickten Agitatoren eingepflanzter ist. Seien wir gerecht und feien wir objektiv, dann werden wir bald erkennen, was es mit dem Schlagwort des Völkischen in dem Kampf, in dem wir stehen, auf sich hat. Müssen wir deshalb, weil wir unsere Zugehörigkeit zum Deutschtum betonen, unsere Zugehörigkeit zum Judentum verleugnen? Jahrzehntealte Frage! Tausendfach bejaht und doch