Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 63 (sequence 4)
- Language
- German
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Zeilschau 63 tatton der Straße. Wenn sie ihren Zweck erreicht hat, tut man so, als ob man sich von ihr angeekelt fühlt und holt ein Verfahren heran, das auch Elementen, die ganz gerne einem gemütlichen Hausantisemitismus obliegen, ermöglicht, der antisemitischen Parteifahne den Treueid zu schwören. Man verlegt sich also auf die Erörterung des Politischen und „Geistigen"; man behandelt von neuem und schon zum so undso vielsten Male den schönen Gegensatz zwischen deutsch-völkischer und jüdischvölkischer Art. Das ist in den letzten Wochen das Leitmotiv aller antisemitischen Propaganda gewesen. Man will den Juden um Himmelswillen kein Haar krümmen — wenn man einmal pon Gewalt gegenüber den Juden geredet hat, so ist das nur daher gekommen, weil die Judenihre lieben Mitmenschen nicht in Ruhe ließen —, sondern man will nur „im Interesse des Judentums" es verhindern, daß das eine durch das andere verunreinigt wird. Besonders charakteristisch ist für diese „Neuorientierung" der antisemitischen Politik eine kürzlich erschienene Flugschrift des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, in der mit aller Schärfe betont wird, daß der Kampf gegen das Judentum lediglich einen völkischen Hintergrund habe. Man müsse im Interesse des Deutschtums es verhindern, daß es mit Juden durchsetzt werde. Gegen die Juden im übrigen habe man nicht das geringste einzuwenden. Man empfehle ihnen, auch ihrerseits, doch einen jüdisch-nationalen Handlungsgehilfenverband zu gründen, dann wolle man mit dieser Organisation gern in eine - Arbeitsgemeinschaft hinsichtlich aller Berussfragen eintreten. Es ist mir nie Kar geworden, warum die deutsch-völkischen Elemente von jeher eine solch entsetzliche Angst vor der Durchsetzung ihres Volkstums mit „jüdischen Elementen" haben, während sie niemals etwas zu beanstanden hatten, wenn ihr Blut mit dem anderer Volksstämme vermischt wurde. Es ist doch eine bekannte Tatsache, daß gerade die Kreise, die am lautesten und wildesten.heute den Ruf nach der Reinhaltung des deutschen Elementes erheben, bislang am wenigsten Anstand genommen haben, sich mit fremdländischem Blut zu vermischen. Es gibt keine Menschenklasse in Deutschland, die stärker sich mit fremdem Blut vermengt hat,: als gerade der deutsche Adel. Offenbar hält er sich selbst nach dieser Blutanffrischung noch nicht für stark genug, das deutsche Volkstum vor dem jüdischen Einfluß zu retten. Es ist doch ein Widersinn sondergleichen, wenn man in unseren Tagen noch dem Blut einen solchen überwiegenden Einfluß aus die Gestaltung des Menschen einräumt. Wenn es gewünscht wird, so könnten ganze Reihen von wissenschaftlichen Autoritäten hier angegeben werden, die schlagend nachgewiesen haben,