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Im deutschen Reich · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. 62

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-02-01
Page
62 (sequence 3)
Language
German
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62 Im deutschen Reich tiefste den Stempel der Zeit. Hier werden ringende und kämpfende Menschen geschildert; hier werde das beste Bild des in Wahrheit, um seine Existenz kämpfenden Volkes entworfen. Und das in dem Deutschland, dessen Theaterleben durch den jüdischen Einfluß versumpft ist! Daß sich die berufsmäßigen Antisemiten nicht entblöden, die Kunst in ihren schmutzigen Kampf herabzuziehen, nimmt bei der Geistesbeschaffenheit dieser Herrschaften nicht wunder. Traurig, tieftraurig aber ist es, wenn ein großer K ü n st l e r so dem Banne der politischen Agitatoren verfällt, daß auch er nicht mehr das Künstlerische von dem Politischen scheiden kann. Hans Pfitzner, der bekannte Komponist, hat eine Streitschrift gegen die Entseelung der deutschen Musik verfaßt. In ihr erhebt er die schwersten Vorwürfe gegen die international-jüdische Bewegung in der Kunst. "Den diese Vorwürfe enthaltenden Teil der Schrift hat er zudem als Leitartikel in der „Deutschen Zeitung" veröffentlicht! Als den grausamsten Feind der deutschen Kunst bezeichnet er Herrn Bekker, den bedeutenden Musikreferenten der „Frankfurter Zeitung". Herr Bekker hat offenbar über das jüngste Pfitznersche Werk „Palästrina" sich nickst so günstig ausgesprochen, wie es dem Komponisten lieb wäre. Dafür muß natürlich das Judentum leiden! Die verletzte Eitelkeit eines Künstlers treibt ihn, eine Schrift zu veröffentlichen, in der er von der Verseuchung der deutschen Kunst durch >das internationale Judentum spricht. So weit sind wir schon gekommen. „Scheidung — Scheidung der Geister! damit man -wenigstens im Reiche der Idee weiß, was deutsch und echt ist." So schreibt Herr Pfitzner. — Ja! Scheidung der Geister wünschen auch wir. Wer groß und frei und wahrhaft künstlerisch denken kann, der muß auf die eine Seite treten, wer sich aber selbst in der Kunst nicht frei von persönlichen Vorurteilen und persönlicher Empfindsamkeit und von Rassen- und Klassenhaß machen kann, der trete auf die andere Seite. Der ist undeutsch, denn er handelt wider den Bau der deutschen Gemeinschaft. Die Scheidung zwischen deutsch und undeutsch, die auch Herr Pfitzner anzuschlagen beliebt, ist zwar keineswegs neu. Sie ist aber in den ersten Monaten dieser antisemitischen Aera, als die Radauhelden im anderen Lager noch die Ueberhanü hatten, vor dem Geschrei „schlagt ihn tot" etwas in den Hintergrund getreten. Nun aber fühlt man sich drüben offenbar von den Helden der Straße abgestoßen — Herr Reventlow möchte doch nicht mit Herrn Kunze und Herrn Pudor Arm in Arm gehen — und man zieht den ungefährlicheren, sogenannten geistigen Kampf wieder hervor. Es ist immer und zu allen Zeiten dasselbe Schauspiel: Jede antisemitische Aera wird eingeleitet durch eine wüste Agi-

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