Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- Der Stern Judas ist die Revolution
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 55 (sequence 7)
- Language
- German
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'„Der Stern Judas ist die Revolution" 55 nächst nicht bestreiten, daß der blutige Stern der Revolution ganz ohne Zutun der Juden oftmals zu ihrem Glücksstern geworden ist. Als die englische Revolution unter Oliver Cromwell gesiegt hatte, wurde durch Wiederzulassung von Juden in England ein altes Unrecht gutgemacht. Die befreiten Vereinigten Staaten waren vielleicht die einzigen, die in ihren Grundgesetzen die Juden sogleich zu Vollbürgern machten; der Dank wird ihnen von den amerikanischen Juden durch besondere Anhänglichkeit, ja Begeisterung für dieses ihr Vaterland abgetragen. Der Einfluß der Revolution aller Revolutionen, der französischen von 1789, für die bürgerliche Erhebung der Juden in Europa aus 1000jähriger Knechtung ist nicht leicht zu überschätzen. Die Opfer der Revolution haben zumeist an den Juden kein besonderes Unrecht getan; und die Helden und Vorkämpfer der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit haben an die Juden zu allerletzt gedacht. Aber so wenig es in der Macht der Juden stand, jene Opfer zu retten, so wenig hatten sie die Wahl, ob sie ihr Menschenrecht aus den Händen der Revolutionäre nehmen oder auf eine legitimere Hand warten sollten. Vielleicht hatte sich diese niemals gefunden. Wenn es je ein Recht des Krieges gegeben hat (was wir der Rechtsphilosophie zur Entscheidung überlassen), so hat es auch ein Recht auf Selbstbefreiung der Völker gegeben, mag der empörte. Dichter noch so heftig schelten; sein eigenes In. tyrannos übertßnt das Sturmgeläut seiner „Glocke". Genug, die Juden hatten Grund zu tiefer Dankbarkeit gegen eine Revolution, die schlecht zu den' totgehetzten Entwicklungslehren . und noch schlechter zum Rationalismus des 19. Jahrhunderts paßte und doch so wirksam und furchtbar war, wie das ausgeklügeltste Gesetz. Sie konnten auch den genialen Korsen, den Vollstrecker der, Revolution, nicht in alle Wege blücherisch hassen und wellingtonisch verdammen, weil er in so viele verrottete, preußisch-deutsche Kabinette und Kanzleien mit heiligem Zorn hineinfuhr und unter anderem so viele schmachvolle Judenverordnungen in Fetzen riß. Aber wohlgemerkt: Der Stern der französischen Revolution war den Juden erschienen, wie der Stern von Bethlehem den heiligen drei Königen; sic sahen ihn erst, als er hoch am Horizont stand. Aber auch die Tatsache der nenesten Zeit denken wir nicht im geringsten zu bestreiten, daß Juden in staatlichen Umwälzungen nach und nach ein mächtiges, letztes und verzweifeltes Mittel kennen gelernt haben, gewisse politische Ziele und Hoffnungen zu verwirklichen. Wir heucheln kein Erstaunen darüber. Aber wir weisen darauf hin, daß es die Reaktion der Reaktionen, die Zeit der „Heiligen Allianz" von 1815—80 gewesen ist, die jene neue Erscheinung in Deutschland, Oesterreich und Rußland