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Im deutschen Reich · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. 52

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Article
Der Stern Judas ist die Revolution
Date
1920-02-01
Page
52 (sequence 4)
Language
German
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52 IM deutschen Reich Nun, die Bibel lehrt zunächst einmal bas gerade Gegenteil. Joseph in Aegypten hat seinem Pharao vorbildlich gedient; wenn ein späterer Pharao keinen Joseph mehr kannte, so ist das nur ein Beweis mehr. Mose hat sein Volk aus der Sklaverei befreit, aber die Aegypter nicht revolutioniert; die Parteien treten einander Auge in Auge gegenüber und messen ihre Kräfte. Der Stamm Benjamin kann seinen Fürsten Saul nicht vergessen; an David hängt der Stamm Juda mit einer Treue, die keine Niederlagen, keine Verbannung, reine Raum- und Zeitenfernen erschüttern konnten. Nehemia ist Mundschenk am persischen Königshofe und zugleich Wiederhersteller seiner Heimat; Mordchai bringt eine Verschwörung gegen das Leben des Königs ans Licht, und tritt zunächst unbelohnt ins Dunkel zurück. Die Psalmen enthalten die klassischen Königshymnen; die Sprüche lehren: Mein Sohn, fürchte Gott und den König und mit Aufrührern lasse dich nicht ein; und Jesus Sirach weiß es auch nicht besser. Der Stern Judas aber war die Weisung des Propheten Jeremia an die Gemeinde der Verbannten irr Babel (Jerem. 29, 7): Suchet das Wohl des Staates, in den ich euch entführt; betetfürihnizuGstt;dLunNurinseinemFrieüen liegt der eure! Man wendet vielleicht ein, das war damals; aber später?! Schon Heine meint einmal: „D i e jungen Juden schaden den alt e n, die man weit über'die Griechen und Römer setzen würde." Das jüdische Mittelalter war sehr lang und sehr finster; junge Juden gibt es erst seit der bürgerlichen Emanzipation und Ausnahme in die moderne Kultur. An den Ländern, die früher als Deutschland zur nationalen Einheit gelangt sind, also England, Frankreich und Spanien, hingen die Juden mit ausgesprochener Liebe. Als man sie unter unerhörten Grausamkeiten aus diesen Ländern ausstieß (die Jahre 1264, 1360 und 1492 bezeichnen drei Leidcnsstationen aus der jüdischen Weltenwanderung), war neben dem Neid und der Habgier der Glaubenshaß dafür ausschlaggebend. Inzwischen hatte eine stolze Reihe jüdischer Staatsmänner neben den mohamedanischen die maurischen Reiche in Spanien in die Höhe gebracht; aber auch den späteren, christlichen Königen haben Juden mit Hingebung gedient. Bekannt sind die Leistungen des Don Isar Abrabanel für Ferdinand den Katholischen; weniger bekannt ist die mächtige nationale Bewegung, die Louis de Santange! zugunsten der Unterstützung von Christoph Kolumbus Entdeckungsfahrten am spanischen Hose entzündete*), und für die er selber — der Geheimjude, dessen Verwandten von der Jnqui- *) S. Kayserling, Shr. Kolumbus usw. Berlin 1893, S. 68 sf.

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